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| Dieser
Abschnitt ist gänzlich das Produkt der bloß zweijährigen Sitarerfahrung
eines Europäers, der zu Indien sich bislang nur träumerisch, zur abendländischen
Musik hingegen wohlinformiert verhielt. Würde es zuwege gebracht, dass auch
nur eine der nicht wenigen Sitars, die in einem Koffer oder an eine Wand
gestellt ein öde-staubiges Dasein fristen, zu neuem Leben erweckt wird,
wäre sein Zweck erfüllt. Denn es scheint, dass es weniger an der Musikalität
oder am Verständniswillen für eine Musik aus der Fremde liegt, wenn Sitarneulinge
sich ob der Schwierigkeiten entmutigen lassen, als an recht trivialen Stolpersteinen,
die mit nur wenigen Informationen sich schon aus dem Weg räumen lassen.
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| Welche
Materialen werden vorausgesetzt? |
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Ein Stimmgerät für ca. hundert Franken verhindert bei der Saitenmontage
nervenaufreibendes Zerreißen (es tut einem jedesmal fürs Instrument Leid,
nicht wegen der markttechnisch diffizilen Saitensuche). Sind die Saiten
einmal richtig gespannt, verstimmen sie sich nicht besonders schnell, sofern
die Raumtemperatur nicht zu stark zwischen Hitze und Kälte hin- und herschwankt.
Für die genaue Stimmung ist das Gerät nicht unbedingt notwendig, da die
Quarten und Quinten mit den Flageolett-Tönen leicht gefunden werden. Will
man für jeden Raga aber die Stimmung ausprobieren, die Daniélou aufgezeichnet
hat, ist das Gerät nötig. Es müssen dann sowohl die Resonanzsaiten wie die
Bünde exakt aufeinander abgestimmt werden. Die Erfahrung des Ohres mit diesen
speziellen Intervallen ist recht aufregend. |
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Bei der Montage der Resonanzsaiten wird als Fanginstrument fürs Innere des
Halses eine gewöhnliche Häckchennadel aus dem Warenhaus benötigt. Wenn die
Saite von oben genügend tief ins Löchlein gestoßen wird, kann sie mit der
Nadel von der Seite her herausgefischt werden. Jetzt wird sie außerhalb
des Halses von oben durch den Wirbel gestoßen, dies einmal wiederholt und
dann der Rest der Saite abgeschnitten. Bei den Seitenwirbeln der Resonanzsaiten
sollten die Drähte möglichst kurz gehalten werden, weil bei zu starker Aufwicklung
wegen der Schwäche des Zuges die Spannung zu schwanken beginnt. |
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Die Beißzange, die die Saiten schneidet, heißt im Warenhaus Seitenschneider. |
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Da bei den Wirbeln Holz in Holz geklemmt wird, kommt es oft zu schlechten
Verspannungen. Diese werden umgangen, indem die Wirbel mit Schlemmkreide
eingerieben werden. Man kauft dieses billige Mittel in sehr kleinen Mengen
in der Drogerie. |
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Die Spielsaite wird jeden Tag mindestens einmal mit etwas Motorenöl kontaktiert,
direkt mit den Fingern oder mit Watte. Gleichzeitig müssen die Bünde auf
der Seite der Spielsaite von Öl und Schweiß mit frischer Watte oder trockenen
Fingern gereinigt werden. |
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Von den Mizrabs, dem Plektrum aus Klavierdraht, sollten möglichst viele
verschiedene Modelle zur Verfügung stehen, da sie für den Gesamtklang in
erstaunlicher Weise entscheidend sind. |
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Wie der Knochen des Stegs gefeilt werden muss (djovari), wird von Thomas
Marcotty in Junius (1974) beschrieben. Die benötigten Feilen sind sehr klein
und in Hobbygeschäften erhältlich; sie sind eher zu empfehlen als Schleif-
bzw. Sandpapier. |
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Da es äußerst schwierig ist, den Steg für jede Saite einzeln optimal zu
schleifen, kann mit Fischhaut aus dem Musikgeschäft (ausreichend viel für
fünfzehn Franken) und für die zwei tiefsten Saiten mit gewöhnlichem Faden
wie bei der Tamboura nachgeholfen werden. Die Haut kann ebenso wirkungsvoll
beim oberen Steg unterlegt werden. |
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Der Saitenkauf ist recht heikel. Als fertige Sätze gibt es die amerikanischen
LaBella und die deutschen Pyramid. Die amerikanischen klingen sehr schön
und laut, haben aber eine derart dicke Spielsaite, dass um das Instrument
gebangt werden muss, wenn durch meend, das seitliche Ziehen, mehr als eine
Terz erzielt werden soll. Umgekehrt sind die deutschen zwar passabel, ihre
Spielsaite hinwiederum ist viel zu schwach, was zu einer gänzlich unstabilen
Intonation führt. Das Ideal wären Saiten, die möglichst geschmeidig, also
auf eine bestimmte Art weich, zugleich aber intonationsstabil sind. Bis
jetzt wurden solche Saiten nur durch Zufall in Indien selbst gefunden. Eine
praktikable Lösung bilden die Cembalo- bzw. Klavierdrähte, die meist aber
nur in großer Quantität verkauft werden (wenn endlich die richtigen Saiten
gefunden sind, spielt das natürlich keine Rolle mehr – aber vorher… ): 0,20
mm für die Resonanzsaiten und die zwei Chikarisaiten auf sa; 0,22 mm für
die erste Saite und die Chikarisaite auf pa; 0,33 mm für die zweite Saite;
0,4 mm für die dritte und 0,55 mm für die vierte Saite. Diese Saitendurchmesser
sind nicht verbindlich, funktionieren aber zumindest bei einer Sitar passabel.
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Für die Saitenmontage bzw. -demontage sollte immer eine Brille aufgesetzt
werden, da nur allzu schnell ein umherfederndes, sehr scharfes Ende ins
Auge geht. Sind die alten Saiten demontiert, werden als erstes die Resonanzsaiten
von der tiefsten bis zur höchsten montiert und ziemlich genau bis zu gewünschten
Höhe gestimmt. Am Saitenende macht man eine Schlaufe mit einem Knopf und
dreht das Reststück, ca. 1 cm möglichst oft um den Draht; erst nach Herstellung
der Schlaufe, die selten ohne kleinere blutende Fingerstiche vonstatten
geht, wird das Saitenende um den weißen Knopf am Instrumentenbauch gelegt.
Nach den Resonanzsaiten wird die tiefste Saite aufgezogen, dann montiert
man von unten nach oben die drei Chikarisaiten und wieder von unten nach
oben die eigentlichen Spielsaiten. Das Prozedere kann schon mal fünf Stunden
in Anspruch nehmen. |
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Da die Bünde großem Druck widerstehen müssen und einige von ihnen des öfteren
verschoben werden, können die Bundschnüre leicht reißen. Gerade die schönen
Fäden, die dem edlen Instrument würdig wären, reißen schon bei der Montage.
Nicht besonders schön ist der Fischrutengarn Extra Strong rose/silver, 0,35
mm/10,2 kgs – aber er ist elastisch genug, damit er einen Messingbund aufs
Holz spannen lässt, und er ist sehr reißfest. |
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| Mit
den oben erwähnten Cembalostahl- und Bronzesaiten ist die Sitar gut klingend
gestimmt, wenn der Grundton beim Stimmen in Querlage auf einem cis festgelegt
wird; pa ist dann ein gis, die Spielsaite ma ein fis. Von oben nach unten
hat man als erstes eine fis-Saite, eine nächsttiefere auf cis, noch tiefer
eine auf gis und noch einmal tiefer wieder eine auf cis. Dann folgt eine
Chikarisaite ein Ton höher als die Spielsaite, also gis, dann eine höher
auf cis, schließlich eine noch eine Oktave höher, wiederum cis. Mit dem
Stimmgerät lässt sich feststellen, dass die Sitars, wie man sie auf den
Compact Discs zu hören bekommt, im Grundton von einem b bis zu einem d variieren. |
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| Quer
gestellt klingen wegen des schwächeren Saitenspannungszugs fast alle Saiten
um ca. fünf Cent tiefer. Dies ist bei einem Zusammenspiel mit anderen Instrumenten,
z. B. einer Tamboura, zu berücksichtigen. Die tiefste Saite, die besondere
Mucken pflegt, lässt sich problemlos bei aufgestelltem Instrument stimmen,
auch während des Spiels. |
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| Die
Resonanzsaiten ergeben normalerweise die stetig fallende Tonreihe des Ragas,
die tiefsten drei Saiten bestehen mit einer Wechselnote ni aus zwei sa.
Prioritär ist bei jeder Resonanzsaitenstimmung ein gutes Anspringen der
Saiten auf einen mit der Spielsaite angeschlagenen Ton; dies ist vom Verhältnis
der Länge zur Spannung abhängig. Folglich hat man sich vor einer Entmutigung
zu hüten, wenn entweder die Resonanzsaiten wegen zu großer Spannung reißen
oder sie einfach nicht klingen wollen. Es bleibt dann nichts anderes übrig,
als mit der idealen Reihenfolge zu brechen und experimentell auszuprobieren,
welche Saite bei welchem Ton am leichtesten den gewünschten Resonanzklang
produziert. |
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| Die
Bünde sind wie folgt positioniert, wenn die Spielsaite ma ein fis ist: bis
zum cis (sa) hat jeder Halbton einen eigenen Bund, dann kommt nur einer
allein für zwei Halbtöne, dann wieder bis zum gis (pa) für jeden Halbton
ein Bund, dann einer für zwei, dann drei für die drei Halbtöne bis zum hohen
cis (sa), dann noch zwei Bünde für d, dis, e, eis. Falls auf der Sitar immer
die gewöhnlichen, das heißt reinen Intervalle gespielt werden, müssen nur
die Bünde für die Töne shuddha re und komal re, shuddha dha und komal dha
sowie für re und ga im obersten Bereich jeweils neu positioniert werden.
Die Lücken bieten den Vorteil, an bestimmten Stellen bequem den seitlichen
Saitenzug zu spielen: meend. |
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| Falls
die Shrutis nach Daniélou gespielt werden, stimmt man zuerst die Resonanzsaiten,
die wie die übrigen bei der Querstellung fünf Cent tiefer klingen, also
mit dem Stimmgerät normal gestimmt werden können. Dann verschiebt man die
Bünde und zupft die Spielsaite, bis jene von alleine erklingen. Manchmal
müssen einzelne Bünde auch während des Spiels leicht verschoben werden. |
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| Es
kommt vor, dass überhaupt nichts stimmen will: man kontrolliert mit dem
Stimmgerät die Resonanzsaiten und auch die Bünde – und dennoch stellt sich
kein guter Klang ein. Möglicherweise muss zumindest die Spielsaite ausgewechselt
werden. Meistens ist es aber so, dass die unpräzise Stimmung einer Bordunsaite,
auf der vielleicht nicht einmal gespielt wird, die Misere produziert; denn
das macht den großen Ton der Sitar, dass die vielen Saiten die Obertonproduktion
verstärken, wenn sie selbst schon in einem solchen Verhältnis stehen. Man
muss dann bei normal auf den linken Fuß aufgesetztem Instrument diese Saiten
spielen und gleichzeitig vom Gehör her stimmen. Wenn die Sitar daraufhin
wieder quer gestellt und mit dem Stimmgerät kontrolliert wird, wundert man
sich, dass die Stimmung nicht schon von Anfang her so erfolgte. – Eine andere
mögliche Ursache für schlechte Intonationen ist der Knochenstaub, der sich
auf dem Steg unter den Saiten bildet; er wird ganz einfach von Zeit zu Zeit
weggeblasen. |
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| Falls
die Bünde zwischen den kleinen Seitenwirbeln nicht so positioniert werden
können, dass ohne zusätzliches seitliches Ziehen (meend) die Töne gegriffen
werden können, ist der Steg falsch geschliffen oder sogar in seiner Position
verschoben. Die Saite muss relativ weit hinten auf den Knochen aufliegen.
Zu feilen (djovari) hat man meist nur die vordere Hälfte des Stegs. |
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| Da
die Bünde und der Steg nicht gut schräg gestellt werden können, besteht
die Feineinstellung aller Saiten, die nicht nur leer als Bordun erklingen,
eben im Feilen des Stegs. Wenn die Töne der zweiten Saite zu hoch sind,
muss der Steg bei dieser Stelle von hinten bis vorne abgefeilt und erniedrigt
werden, sodann im vorderen Teil so weit kunstvoll geschliffen, dass die
Saite bei möglichst allen gespielten Tönen mit möglichst vielen Obertönen
erklingt. |
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| Eine
zusätzliche Schwierigkeit ergibt sich beim Djovari, dem Feilen des Stegs
als dem Lebensatem des Instruments dadurch, dass es beim Wechsel auf eine
neue Saitenqualität gänzlich unvorhersehbar reagiert. Das Provisorium ist
ihm wie allem Lebendigen eigentümlich. |
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| 1)
Weiß der Teufel, aber in dieser kalten Stadt ist ein Sitar-Baby
schon den Fäusten seines Peinigers auf der Aare davongeschwommen. |
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