Die Melodie in den Talas

den rhythmischen Zyklen

 
Einführung in die Sitar
Ueli Raz
   
start: 29 january 2007, up-date: 29 january 2007
 
 
Der indische Begriff der Komposition ist mit dem europäischen deswegen kaum vergleichbar, weil nach der Wahl des Ragas und des Talas die Kompositionsstruktur kaum mehr tiefgreifend durch ein kompositorisches Subjekt bestimmt werden kann. Streng genommen bleibt nur noch die Auswahl von drei verschiedenen Tempi übrig, wobei entweder das schnellste durch den Schluss des Alaps vorgegeben ist oder eine langsame Komposition im selben Raga bei hinzugefügten Stücken noch zweimal verdoppelt werden kann.
Einer der einfachsten Tala heißt Teental. Dies ist ein Zyklus von 4 mal 4 Vierteln. Wenn sich damit auch komplizierte Musik machen lässt – ein Marsch entsteht nie. (1) Denn wie im Raga die Melodietöne komplex gewichtet sind, stehen auch im Tala nach euroamerikanischer Musikerfahrung die betonten Teile verquer. Wenn das x (mit dem Namen Sam) für den Anfang des Zyklus steht, der bei fast allen Talas betont ist, so bedeutet eine 0 unbetont, eine 2 und eine 3 etc. betont. Der Tala Teental hat dann folgende Form:
 
|| :
1 2 3 4
|
5 6 7 8
|
9 10 11 12
|
13 14 15 16
: ||
x
|
2
|
0
|
3
 
Die Komposition kann an jeder beliebigen Stelle einsetzen, muss aber berücksichtigen, dass auf den ersten Schlag des Zyklus einer der Haupttöne des Ragas fällt. Musikalisch interessant ist natürlich die lange, nicht akzentuierte Phase mit dem unbetonten Schlag 9: hier realisieren sich durch teuflische Synkopisierungshaufen die Nervenpunkte der indischen Musik, so dass einer ungeübten Hörerschaft leicht einmal das Hören und Sehen vergeht und die Trivialität des Talas mitnichten mehr als durchschaubar erscheint.
Die Länge der Melodie oder Komposition orientiert sich an pragmatischen Werten; der Umfang von weniger als zwei Zyklen ist wohl eher selten.
Meistens folgen die Kompositionen einem Schematismus, der auch für die einfachsten Übungsmelodien eines Ragas gilt. Durch ihn sind sie zweigeteilt in einen Sthay, der sich in der mittleren Oktave bewegt und einen Antara in der oberen. (2)
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1) Der Antimilitarismus der indischen Musik ist in einen sachlichen Zusammenhang eingeschrieben.
2) Im Alap heißen die ersten zwei Teile ebenso Sthay und Antara. Bei notierten Stücken ist es deswegen nicht immer klar, ob es sich um das Beispiel eines Alaps handelt, ein Übungsstück zum Erlernen eines Ragas (Sargam) oder eine mehr oder weniger durchgebildete Komposition.