| |
| Der
indische Begriff der Komposition ist mit dem europäischen deswegen kaum
vergleichbar, weil nach der Wahl des Ragas und des Talas die Kompositionsstruktur
kaum mehr tiefgreifend durch ein kompositorisches Subjekt bestimmt werden
kann. Streng genommen bleibt nur noch die Auswahl von drei verschiedenen
Tempi übrig, wobei entweder das schnellste durch den Schluss des Alaps vorgegeben
ist oder eine langsame Komposition im selben Raga bei hinzugefügten Stücken
noch zweimal verdoppelt werden kann. |
|
| Einer
der einfachsten Tala heißt Teental. Dies ist ein Zyklus von 4 mal 4 Vierteln.
Wenn sich damit auch komplizierte Musik machen lässt – ein Marsch entsteht
nie. (1) Denn wie im Raga die Melodietöne komplex
gewichtet sind, stehen auch im Tala nach euroamerikanischer Musikerfahrung
die betonten Teile verquer. Wenn das x (mit dem Namen Sam) für den Anfang
des Zyklus steht, der bei fast allen Talas betont ist, so bedeutet eine
0 unbetont, eine 2 und eine 3 etc. betont. Der Tala Teental hat dann folgende
Form: |
| |
|
||
:
|
1
2 3 4
|
|
|
5
6 7 8
|
|
|
9
10 11 12
|
|
|
13
14 15 16
|
:
||
|
|
|
x
|
|
|
2
|
|
|
0
|
|
|
3
|
|
|
| |
| Die
Komposition kann an jeder beliebigen Stelle einsetzen, muss aber berücksichtigen,
dass auf den ersten Schlag des Zyklus einer der Haupttöne des Ragas fällt.
Musikalisch interessant ist natürlich die lange, nicht akzentuierte Phase
mit dem unbetonten Schlag 9: hier realisieren sich durch teuflische Synkopisierungshaufen
die Nervenpunkte der indischen Musik, so dass einer ungeübten Hörerschaft
leicht einmal das Hören und Sehen vergeht und die Trivialität des Talas
mitnichten mehr als durchschaubar erscheint. |
|
| Die
Länge der Melodie oder Komposition orientiert sich an pragmatischen Werten;
der Umfang von weniger als zwei Zyklen ist wohl eher selten. |
|
| Meistens
folgen die Kompositionen einem Schematismus, der auch für die einfachsten
Übungsmelodien eines Ragas gilt. Durch ihn sind sie zweigeteilt in einen
Sthay, der sich in der mittleren Oktave bewegt und einen Antara in der oberen.
(2) |
|
| _______________________________ |
| 1)
Der Antimilitarismus der indischen Musik ist in einen sachlichen Zusammenhang
eingeschrieben. |
| 2)
Im Alap heißen die ersten zwei Teile ebenso Sthay und Antara. Bei notierten
Stücken ist es deswegen nicht immer klar, ob es sich um das Beispiel eines
Alaps handelt, ein Übungsstück zum Erlernen eines Ragas (Sargam) oder eine
mehr oder weniger durchgebildete Komposition. |