| |
| Der
Alap existiert in drei Varianten, von denen die zweite und dritte in der
südindischen Musik wenig verbreitet sind. Aber auch für die hindustanische
gilt, dass die Grenzen zwischen den Typen als extrem fließend zu betrachten
sind. |
|
| 1)
Im Alap wird das Material des Ragas präsentiert. Im geringsten Fall, dem
manchmal auch ein besonderer Name zukommt, wird nur die Tonreihe hinauf
und hinunter vorgetragen, was musikalisch bereits informativ wirkt, da in
der einen Richtung, normalerweise in der aufsteigenden, bei den meisten
Ragas einer oder mehrere Töne entweder nicht oder dann alteriert (diatonisch
oder mikrotonisch) und je nach Richtung öfters Töne nur in besonderen Wendungen
gespielt werden. Gewöhnlich dauert diese Präsentation, die auch die ragatypischen
Motive und Phrasen zu erkennen geben soll, zwischen zwei und fünf Minuten.
Sie steht jedesmal am Anfang eines „Stückes“, das überhaupt auf einem Raga
fußt, mithin der Intention nach klassisch sein will. (1)
Zu den genannten Strukturmerkmalen eines Ragas gehören noch die Haupttöne
und diejenigen, mit denen Melodien beginnen oder enden. Diese Töne, die
mit dem Grundton und der Quint, also den permanent erklingenden Borduntönen
konkurrieren, sofern sie mit ihnen nicht identisch sind, bilden den Grund
dafür, dass man beim Raga nur schwerlich von einem Modus sprechen kann:
sein Beziehungsgefüge hat mehrere Zentren. Es existieren deswegen auch keine
Melodien in einem eigentlichen Dur, Moll, Phrygisch, Dorisch oder Lydisch,
wenn auch gerade die Tönen dieser Reihen zum Einsatz kommen. |
|
| 2)
Bei einer Konzertaufführung ist der erste Alap sehr lang, bis zur Überschreitung
einer halben Stunde. |
| |
| 3)
Der Alap kann auch als eigenständiges Stück gespielt werden; dann ist seine
zeitliche Dauer musiktheoretisch kaum eingrenzbar. |
|
| Die
Abläufe der zwei letzteren Alapformen sind nicht allgemeinen strengen Regeln
unterworfen. Als Prinzipien gelten, dass die Shrutis des Ragas ohne Intonationsschwankungen
vorgeführt werden, indem von der mittleren Oktave ausgehend schrittweise
zuerst der obere Tetrachord, dann der tiefere, dann beide zusammen, dann
die obere Oktave und schließlich die unterste vorgeführt werden. (Das Sitarspiel
ist in der tiefsten Oktave sehr schwierig; viele Konzertvirtuosen meiden
das, worin Ravi Shankar als herausragender Meister gilt.) Dazu gehört, dass
auch die verschiedenen Spieltechniken wie in einem Katalog aufgelistet werden.
(2) Die Pointe ist, dass sich ein Universum
öffnen soll, dessen Tonbilder gleich stabil bleiben wie diejenigen der Sterne.
Da der Schlussteil des Alaps – der Abhog – oft in stupender Virtuosität
gipfelt, ist er bereits metrisiert, wenn auch noch nicht in einem definierten
Metrum (Tala) und noch ohne Tablabegleitung; er bildet den Übergang zu den
Kompositionen. |
|
| Ungleich
den falschen Vorstellungen ist die musikalische Verwirklichung eines Alaps
äußerst schwierig, da die saubere Intonation absolute Beherrschung des Instruments
voraussetzt und im stetig erfinderischen Fortgang des Spiels – der Entwicklung
des Ragas – nicht auf vordergründig beeindruckende virtuose Tonreihungen
zurückgegriffen werden kann. Beispielhaft für den zweiten Typus wäre Shahid
Parvez, The Art of The Sitar, Seven Seas 1990 mit dem Raga Yaman und für
den dritten die drei Alap-Einspielungen auf einer Doppel-CD Ustad Ali Akbar
Khan Plays Alap – A Sarod Solo, Shri Rag, Pilu Baroowa, Ragini Iman Kalyan,
Ammp 1993 und Zia Mohiuddin Dagar, Rudra Vina, Raga Yaman, Nimbus 1991. |
| _______________________________ |
| 1)
Es ist häufig, dass nach einem Alap mehrere „Stücke“ bzw. Kompositionen
im selben Raga aufeinander folgen. |
| 2)
Solche Kataloge enthält Miner (1993) fürs 19. Jahrhundert. |