| Obwohl
hier nichts Verbindliches zur arabischen Musik gesagt werden kann (1),
gibt es einige Momente, durch die sie sich charakterisieren lässt und von
denen sich die indische deutlich unterscheidet – und die folglich ein Sitarspieler
zu vermeiden hat. Die festen Melodiebögen, die der Improvisation als Variations-
und Variantenmodelle dienen, haben die Quarten und Quinten als enge Zieltöne.
Zum Formgesetz gehört neben der Quart- bzw. Quintbezogenheit einschränkend
nur, dass die Summe der realisierten Phrasen, Motive und Muster als eine
gewisse Balance erscheint; die ganze Melodie oder motivische Teile davon
können im metrischen Raum beliebig gedehnt werden, sind also nicht an Zyklen
gebunden. Es gibt Melodien, die ohne Metrum vorgetragen werden, solche,
die mit dem Metrum korrespondieren (vor allem bei Liedern) und solche, denen
ein Metrum in der Weise aufgesetzt wird, dass sich die Melodie oder ihre
Teile nach diesem zu richten haben (übernommene Melodien in neuen Rhythmen).
In der persischen Musik gehört es zur gewöhnlichen Aufführung, dass die
einzelnen Sätze eines Stückes nicht unähnlich der europäischen Suite oder
Symphonie verschiedene Grundtöne aufweisen und in verschiedenen Dastgahs
(i. e. Maqam, Raga, Modus) gespielt werden. Sofern die einzelnen Sätze in
ihrem eigenen Verlauf verschiedene Dastgahs anspielen, hat man wohl von
einem modulierenden Formwillen zu sprechen. In der indischen Musik ist dieser
nur in einer befremdlichen Weise vorzufinden, als gekünstelte Mischung von
Ragas. |