Bhatkhandes

Thatas - System

 
Einführung in die Sitar
Ueli Raz
   
start: 19 november 2006, up-date: 19 november 2006
 

Werden die Mikrointervalle und Phrasierungseigentümlichkeiten der Ragas vernachlässigt, so werden die Parallelen zur Musiksystematik der antiken Griechen und des europäischen Mittelalters evident. (17)

 
Ein häufig benutztes Schema stammt von Strangways (1914), p. 47, Schreibweise der Ragas angepasst durch Deva (1980), p. 25:
 

„Weiße Klaviertasten“

Griech. Modus
Kirchentonart
Karnat. Melakarta
Hindust. That
H—h
mixolydisch
hypophrygisch (?)
Saman Gesang  
E—e
dorisch
phrygisch
Hanumattodi
Bhairavi
A—a
hypodorisch
äolisch
Natabhairavi
Sindhubhairavi
D—d
phrygisch
dorisch
Karaharapriya
Kafi
G—g
hypophrygisch
mixolydisch
Hari-Kambhoji
Jhinjoti
C—c
lydisch
ionisch
Dhirasankara- bharanam
Bilaval
F—f
hypolydisch
lydisch
Kalyani
Imankalyan
 

Hier wird die Gemeinsamkeit der altgriechischen, der europäisch-mittelalterlichen und der indischen Musik hervorgehoben, und ein Raga erscheint solchermaßen als Modus. Den Durchblick für indische Musik fördert eine solche Liste nicht, im Gegenteil. Immerhin können durch sie Indian-Freaks davon verschont werden, via Ragamusik zu Spezialisten für Gregorianik zu verkommen. Die Anspielung auf das Gemeinsame mit der Gregorianik hat den Sinn, die Besonderung der indischen Musik vor falscher Mystifizierung, die man in der eigenen Kirchenmusik weniger zu suchen geneigt ist, zu verschonen.

 

Das ganze That-System von Bhatkhande von Anfang des 20. Jh. umfasst mehr Reihen als die Kirchentonarten und ist im fünften Abschnitt enthalten, wo es in die statistische Auflistung einzelner Ragas eingeflochten ist.

 
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17) Es gehört noch an diese Stelle die Beobachtung, dass es bei SängerInnen die Tendenz gibt, die Intervalle der Ragas nicht nach der Tradition zu singen, sondern aus den Obertonreihen der Tambura herauszuhören und der Kraft dieser normierten Töne nachzugeben. Das heißt, dass es in der indischen Musik immer schon die auseinanderstrebenden Richtungen gegeben hat, entweder die Shrutis zu betonen oder die Reihen. Nimmt man noch die Unterscheidungen zwischen nord- und südindischer Musik hinzu, so hat die letztere zwar mehr verschiedene Modi, unterdrückt aber gerade deren Besonderheit, indem sie in festen Kompositionen gespielt werden, in denen zudem die Einzeltöne durch Ornamentierung nahezu unkenntlich werden. Folglich sind solche Systematisierungen ausschließlich in Einleitungen platzierbar, deren theoretische Kritik in Form von Fragen an die indische Musik noch aussteht.