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von Ansatz, in das Werk eine Dramaturgie hineinzuprojizieren, werden, bei
Blume, häufiger aber bei Kirsch, beim Versuch einer Interpretation
der Musik als direkte Bezugnahme auf den Text Kreuzigungsschläge, Zittern,
Ausdruck körperlicher Peinigung, Anklänge an ein Jüngstes
Gericht, etc. aus der Musik heraus- bzw. in sie hineingelesen. Es werden
von den Autoren also musikalische Stellen gesucht, in denen die Musik dahingehend
interpretiert werden könnte, daß sie da oder dort klangmalerisch
auf die Szenerie im Text eingehen könnte. Nur gelegentlich wird eine
heitere Wirkung der Musik Rossinis in diesem Werk als Vorwegnahme des Triumphes
gedeutet. |
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| In
der Annahme eines bewußten Plans Rossinis, eine Diskrepanz zwischen
Musik und Text zu schaffen - denn man könnte ihm freilich auch aus
ästhetischen Gründen (vgl. etwa das Zitat von H.Kretzschmar, siehe
Kap.III.) unterstellen, ihm wäre die entstandene Spannung mehr oder
minder gleichgültig gewesen - könnte man den Musik-Text - Bezug
auch viel universeller, also nicht bloß punktuell, als kontrapunktisch
auffassen, nämlich im Sinne einer ernsthaften Ironie: Der oftmals fröhliche
Charakter der Musik im Stabat Mater antizipiert die Auferstehung. Rossini
als "homo, qui non fleret", (48)
in freudiger Erwartung der Auferstehung Christi, ist über den Schmerz
und das Unwissen der Mutter, die den für ewig tot Geglaubten im Arm
hält, erhaben. Die jede Pein überstrahlende Überzeugung im
unzerstörbaren Glauben an den kommenden Sieg Jesu über den Tod
läßt den Schmerz oberflächlich, beinahe unglaubwürdig,
erscheinen. So kann sich der Komponist kaum mit dem Leiden der Schmerzensmutter
identifizieren, in der Musik erzählt er hinter dem vordergründigen
Text lächelnd vom erwarteten Ostermorgen, und das den Text lesende
und die Musik hörende Publikum lächelt mit. |
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| Das
Stabat Mater lebt aus dieser Sicht also von einer zweifachen Diskrepanz,
nämlich zwischen Text und Musik einerseits und andererseits von der
inneren musikalischen Spannung zwischen dramatischen, teils auch resignierenden
und unverkennbar freudig tanzenden und triumphierenden Stellen - die eben
als Musik wahrhaft nur "semi-seria" sind, nicht aber im humoristischen
Sinne, sondern im Sinne eines Fingerzeigs hin zur Auferstehung: Schmerzlicher
Ernst und ernsthafte Ironie, ganz im Sinne dessen, was Jesus den beiden
Jüngern auf ihrem Gang nach Emmaus sagt: "Wie schwer fällt
es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Mußte nicht
der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?"
(49) |
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| Der
Heldentenor der ersten Arie etwa trägt diese Kernaussage Rossinis bereits
in der musikalischen Anlage des zweiten Satzes. Und trotz allem bleibt seine
eingehende musikalische Beschwörung an die Mutter ungehört: "Mater,
mater unigeniti". Oder gerade auch der von Rossini der Komposition
hinzugefügte Text der Doxologie im Finalsatz ("Et sempitaerna
saecula") kann als Zeugnis gesehen werden für diesen Triumph des
ewigen Lebens über den Tod, symbolisiert durch die Auferstehung. |