| Ein
Problem tritt jedoch zutage, nämlich daß trotz ihrer allgemeinen
Abstraktheit die Musikalische Hermeneutik, insbesondere der erste Bereich
- aber auch der zweite, nämlich insofern, als auch er vom individuellen
musikalischen Erleben abhängt - einen zu großen Teilen massiv
subjektiven Charakter hat, da sie nur vom ausübenden Künstler
auf sich selbst, d.h. eben auf seine eigene musikalische Erfahrung, bezogen
praktiziert werden kann. Inwiefern eine Objektivierbarkeit dieser Erkenntnis
gegeben ist, bleibe offen, doch sei die Frage nach ihrer Relevanz gestellt.
Jeder Künstler ist zuerst einmal natürlich ein Individuum, es
muß nicht notwendigerweise erstrebenswert sein, einen Konsens herzustellen.
Wenn ein intersubjektiver Dialog, oder gar eine Übereinkunft aus musikwissenschaftlicher
und philosophischer Sicht auch höchst erstrebenswert erscheinen mag,
so wäre er m.E. aber nicht zugleich als Ziel von eminenter Bedeutung
anzusehen, mit ziemlicher Sicherheit jedoch als eine Gefahr für einen
jeden Einzelnen bereichernden künstlerischen Pluralismus. |