| Wenn
aber nun die einzige Hürde im Verstehen die Verstehenserwartung und
damit einhergehend der Wille zum Verstehen zum Hindernis wird, so bleibt
die Lösung des Problems nur eine Frage der Systemkonstruktion. Generell
erscheint mir also eine Distanzierung vom Verstehen-Müssen nicht nur
empfehlenswert, sondern als ein Schlüssel für die Methodik einer
Musikalischen Hermeneutik. |
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| Folglich
wäre der Wille zum Verstehen abzulehnen, die Forderung nach Intentionslosigkeit
bliebe unvermeidlich. Im Prinzip wäre der Wille ja ohnehin als belanglos
anzusehen, weil der Mensch sowieso versteht, wenn er sich nur irgendwie
mit dem Problemobjekt befaßt (vgl. Fußnote 1).
Auf der anderen Seite wandelt sich die gedanklich konstruierte Seifenblase
des zwanghaften Verstehen-Müssens im Menschen zur bloßen Bereitschaft
zum Verstehen, es erhält damit etwas geradezu passiv-Kontemplatives
("Ich weiß, daß ich verstehen werde, also warte ich einfach
nur darauf, daß es mir bei meiner Beschäftigung mit dem Objekt
zufällt."). Das Lösen vom Verstehen-Müssen wird so nicht
zum Nicht-Verstehen-Wollen, sondern zum Nicht-Verstehen-Wollen-Wollen und
damit zum Verstehen-Dürfen. Der Mensch ist frei zu verstehen und er
muß frei sein, um verstehen zu können. |
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| Hier
beginnt für mich der Spielbegriff eminente Bedeutung zu gewinnen: Das
Spiel als intuitives Agieren (sei es nun geistig, mechanisch oder beides)
sei hier als Inbegriff der intentionalen Freiheit aufzufassen, indem nämlich
der einzige Wille des Spielenden im Spielakt selbst liegt. Mit dem spielerisch
Geäußerten geht das Geschenk eines zwanglosen Verstehen-Dürfens
einher, ohne das bewußte Zutun des Spielenden. Denn vielmehr würde
das bewußte Eingreifen in den Spielakt den Menschen vom Spiel aufgrund
eben seiner Bewußtheit hindern. Mit diesem Spielbegriff kann zugleich
auch eine holistische Vorstellung (3)
von Menschsein verbunden werden, das im Akt des Spiels verwirklicht
wird. Das Spiel ist dem intuitiven (nicht instinktiven) und intentionslosen
Akt verpflichtet, dem unmittelbaren Verhältnis aus Wahrnehmung und
Handlung. Damit basiert es alleine auf der menschlichen Natur. |