Das Dürfen als

Schlüssel zum Verstehen

 
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von mag. dominik sedivy
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start: 10 may 2006, up-date: 10 may 2006
Wenn aber nun die einzige Hürde im Verstehen die Verstehenserwartung und damit einhergehend der Wille zum Verstehen zum Hindernis wird, so bleibt die Lösung des Problems nur eine Frage der Systemkonstruktion. Generell erscheint mir also eine Distanzierung vom Verstehen-Müssen nicht nur empfehlenswert, sondern als ein Schlüssel für die Methodik einer Musikalischen Hermeneutik.
 
Folglich wäre der Wille zum Verstehen abzulehnen, die Forderung nach Intentionslosigkeit bliebe unvermeidlich. Im Prinzip wäre der Wille ja ohnehin als belanglos anzusehen, weil der Mensch sowieso versteht, wenn er sich nur irgendwie mit dem Problemobjekt befaßt (vgl. Fußnote 1). Auf der anderen Seite wandelt sich die gedanklich konstruierte Seifenblase des zwanghaften Verstehen-Müssens im Menschen zur bloßen Bereitschaft zum Verstehen, es erhält damit etwas geradezu passiv-Kontemplatives ("Ich weiß, daß ich verstehen werde, also warte ich einfach nur darauf, daß es mir bei meiner Beschäftigung mit dem Objekt zufällt."). Das Lösen vom Verstehen-Müssen wird so nicht zum Nicht-Verstehen-Wollen, sondern zum Nicht-Verstehen-Wollen-Wollen und damit zum Verstehen-Dürfen. Der Mensch ist frei zu verstehen und er muß frei sein, um verstehen zu können.
 
Hier beginnt für mich der Spielbegriff eminente Bedeutung zu gewinnen: Das Spiel als intuitives Agieren (sei es nun geistig, mechanisch oder beides) sei hier als Inbegriff der intentionalen Freiheit aufzufassen, indem nämlich der einzige Wille des Spielenden im Spielakt selbst liegt. Mit dem spielerisch Geäußerten geht das Geschenk eines zwanglosen Verstehen-Dürfens einher, ohne das bewußte Zutun des Spielenden. Denn vielmehr würde das bewußte Eingreifen in den Spielakt den Menschen vom Spiel aufgrund eben seiner Bewußtheit hindern. Mit diesem Spielbegriff kann zugleich auch eine holistische Vorstellung (3) von Menschsein verbunden werden, das im Akt des Spiels verwirklicht wird. Das Spiel ist dem intuitiven (nicht instinktiven) und intentionslosen Akt verpflichtet, dem unmittelbaren Verhältnis aus Wahrnehmung und Handlung. Damit basiert es alleine auf der menschlichen Natur.