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von mag. dominik sedivy
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start: 04 may 2006, up-date: 04 may 2006
Mein eigenes Konzept von Hermeneutik in der Musik basiert auf einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen einer Musikwissenschaftlichen und einer Musikalischen Hermeneutik. Die vorliegende Arbeit versucht nun, diese Unterschiedlichkeit zwischen einer Musikwissenschaftlichen und einer Musikalischen Hermeneutik aufzuzeigen.
 
Allgemein sei vorab gesagt, daß, während sich die Musikwissenschaftliche Hermeneutik primär um eine weitestgehend von empirischen Fakten ausgehende Interpretation des Werkes und seiner Umstände (Gattungsgeschichte, Rezeption, Biographie des Komponisten, ggf. Verhältnis zwischen Wort und Ton, ...) bemüht, die Musikalische Hermeneutik durch ihre alleine auf die Kunst bezogene Fragestellungen diese werkspezifischen Probleme ignoriert. So bildet sie ein Gegenstück zum musikwissenschaftlichen Ansatz.
 
Den Schwerpunkt dieses Textes bilden Überlegungen zu meiner Forderung nach einer Musikalischen Hermeneutik. Diese kann generell als ein abstraktes Destillat verstanden werden, das auf die Musik und deren Realisierung angewendet wird und daher nicht sachgebunden ist. Die Musikwissenschaftliche Hermeneutik hingegen benötigt gerade diese Gebundenheit an das konkrete Werk, seine Gattung, den Komponisten, etc.
 
Anfangs wird nun versucht, einen kritischen Blick auf den Verstehenszwang zu werfen, in dem ich ein bloßes Scheinproblem sehe. Davon ausgehend wird ein Ansatz weg vom Verstehen-Müssen hin zum Verstehen-Dürfen verfolgt. Darauf aufbauend wird ein kleines morphologisches Konzept einer Musikalischen Hermeneutik erstellt, wobei die wichtigsten Fragen Erwähnung finden, die diese stellen soll. Charakteristisch für mein Konzept einer Musikalischen Hermeneutik ist insgesamt eine bestehende Spannung aus rein intuitiver künstlerischer Produktion und einer nachträglichen Reflexion, die über das Geschaffene nachdenkt. Insbesondere das intuitive Moment soll von verschiedenen Seiten betrachtet und eingehender untersucht werden.
 
Zuletzt werden beide von mir angenommenen Ebenen der Musikhermeneutik, nämlich die musikalische und die musikwissenschaftliche, einander gegenübergestellt und verglichen. Bei der Beschreibung der Musikwissenschaftlichen Hermeneutik wird als Fallbeispiel eine Werkanalyse des Stabat Mater von G. Rossini herangezogen.