Die Mihterchane

bei Szigetvar

 
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dr. memo g. schachiner
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start: 10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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Auch dieses Bild zeigt eine Buchmalerei aus dem Hunername, datiert 1588.
Bezüglich unseres Themas ist es zum ersten Mal von Pirker veröffentlicht.
 
"Das Thema dieser Miniatur ist die Abhaltung des Diwan nach dem Sieg von Szigetvar." Pirker, 1986, S. 61, A288B
 
Bei seinem letzten Feldzug belagerte der greise Sulejman II. zum Schluss die Festung Szigetvar. Szigetvar konnte nicht erobert werden. Hier wurde zu seinen Lebzeiten kein "Sieg" errungen. Das Bild betrifft wahrscheinlich nicht die Belagerung von Szigetvar, aber mit Sicherheit einen Sieg während der Ungarnfeldzüge des Sulejman.
In der ersten Reihe im Bild sehen wir die Schädel der geköpften Menschen.
Dahinter stehen die Kommandanten der Janitscharen wie die britischen Kolonialoffiziere in Indien, die bei der Erlegung eines Tigers dabei waren, vor dem Photoapparat.
 
Mihterchane bei einem Ungarnfeldzug des Sulejman II., Buchmalerei von 1588, img0000000045
 
Pirker deutet die hier dargestellte Mihterchane:
"Erkennbar sind zwei Paare kus, zwei boru, zwei zil, zwei davul und zwei zurna." Pirker, 1986, S. 61, A288B
 
Damit haben wir das Standard-Instrumentarium der osmanischen Mihterchane komplett vor uns.
Sulejman II. erkrankte während der Belagerung Szigetvars an Schiirpentsche (=Löwentatze), und das Geschwür auf seinem Rücken konnte nicht geheilt werden.
Er schrieb bei dieser Belagerung seinen berühmten Versen:
"Halk itscinde bir nesne yok muuteber dewlet gibi,
Olmaja dewlet djihanda bir nefes sihhat gibi." Aus meinem Gedächtnis.
Für das Volk gibt es nichts Begehrenswerteres als den Staat (Herrschaft; mgs),
Es gibt keinen Staat auf der Welt, (der; mgs) so (wertvoll ist; mgs) wie ein Atemzug Gesundheit. (Ü.: mgs)
Sein verwesender Leichnam musste in einem langen Trauermarsch nach Belgrad gebracht und von dort zurück nach Konstantinopel geschickt werden. (1)
 
"Das Thema der Miniatur ist der Trauerzug Suleymans von Szigetvar nach Belgrad." Pirker, 1986, S. 48, A288B
Hier haben wir es mit einem thematisch sichergestellten Dokument zu tun. Noch dazu wurde es nur zwei Jahre nach dem Tode Sulejmans hergestellt.
"Die Darstellung zeigt eine mehterhane mit zwei zurna, zwei boru, einer davul und einem Paar nakkaara." Pirker, 1986, S. 48, A288B
Hier fehlen uns aber die großen Pauken.
Waren die oben aufgezählten alle Instrumente, die Sulejman bei seiner Privatkapelle nach Szigetvar mitführte?
 
 
Trauerzug Süleymans von Szigetvar nach Belgrad. Buchmalerei, datiert 1568. img0000000412
 
"Heute gibt es im Serail von Topkapi und im Militärmuseum 9 historische Kös. Unter ihnen befinden sich auch die, die bei dem Tschaldiran-Feldzug, und die Elefantankös, die bei dem Szigetvar-Feldzug des Kanuni (=Gesetzgeber) Süleymans gespielt wurden. Die Kös von Szigetvar hat einen Durchmesser von 130 cm und eine Höhe von 127 cm." (Ü.: mgs) Sanal, 1959, S. 74- 75, A289B. (Sanal bezieht sich auf Konyali, 1943, S. 52.)

 
Die Mihterchane von Sulejman II. führte außer den von den Kamelen getragenen Großen Doppelpauken (=Kuuss), noch Riesendoppelpauken mit, die von den Elefanten getragen wurden.
 
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1) Nach dem osmanischen Chronisten Ibrahim Petschewi (1574- 1650) wurde Szigetvar 1566 doch von den Osmanen erobert. Sulejman II. starb zwei Tage vor der Eroberung. Großwesir Sokullu Mehmed Pascha ließ den Leichnam Sulejmans am Boden dessen Zeltlagers begraben. Danach blieb Pascha noch 43 Tage bei Szigetvar. Erst danach wurde der Leichnam Sulejmans wieder exhumiert und in einer geschlossenen Sänfte, als ob er noch lebendig wäre, bis nach Belgrad getragen. Erst in Belgrad, beim Zusammentreffen mit dem entgegenkommenden Prinz Selim (Sultan Selim II:), wurde der Tod Sulejmans verkündigt. Selim II. übernahm den Leichnam und brachte ihn nach Istanbul. Pecevi, 1968, S. 223- 224, B545B
Nach Öztuna wurden die inneren Organe Sulejmans in seinem Zeltlager hinter seinem Thron begraben. Heute soll in Ungarn auf dieser Stelle eine gewisse "Türken- Kirche" stehen. Öztuna, 1966