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"Eine
herausragende Stellung nahm bei den Türken die Militärmusik,
der sogenannte Mehter, während der Schlacht ein. Die
Militärkapelle spielte während der Schlacht in der
ersten Reihe, um die Kämpfenden zu motivieren."
Tomenendal,
2000, S42, A142B
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Können
wir den Osmanen wirklich eine derart ausufernde Nicht -Habgierigkeit
vorwerfen, dass sie die sündteuren Musiker der Mihterchane
"während der Schlacht in der ersten Reihe"
als Kanonenfutter verwendeten?
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Am
besten betrachten wir die linksstehende Buchmalerei näher:
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In
der allerersten Reihe liegen die gefallenen gepanzerten Ritter
der Ungarn.
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Einige
gepanzerte Spahi (=Reiter) der Osmanen stechen deren Leiber
mit ihren Lanzen.
Eine größere Reserve der Spahi wartet hinter ihnen
gelassen darauf, ob sie überhaupt gebraucht werden.
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Mit
einem geräumigen Abstand zum Kriegsfeld schreitet der
Schimmel des Sultans gemächlich dahin. Mit dem nach hinten
geworfenen Kopf stolziert Sulejman II. wie ein Pfau.
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Gleich
hinter ihm reiten seine hochrangigen Privatdiener, auch genannt
Mihterchane, Mihterchane-i Chajme (= Haus der Höheren
des Zeltes, gem. die hochrangigen Diener des Sultanzeltes
im Krieg), auch Janitscharen, ebenso mit geneigten Köpfen.
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Hinter
ihm sind die Bodyguards, zu Fuß, Janitscharen auch,
mit geneigten Köpfen.
Links von ihnen sind die Aghas, die Kommandanten der Janitscharen.
Sie stehen gerade.
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| Schlacht bei
Mohacs an der Donau. Osmanische Buchmalerei von ca. 1575. img0000000408 |
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| All diese, verschiedenen Abteilungen
zugehörigen Janitscharen tragen breite Goldborten auf ihren "Ketsches"
(= Filz, gem. die Filzmützen der Janitscharen) gewickelt. |
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| Erst hinter allen anderen
sehen wir die kerzengeraden, stolzen Musiker der Mihterchane. |
| Da sie gleich hinter dem Sultan
Stellung genommen hat, ist die Kapelle die "Mihterchane- i Chassa"
(=Das Privathaus der Höheren; gem. persönliche Kapelle des Sultans). |
| Hinter ihnen sind die Standarten
aufgestellt. So ist die Kapelle die "Tablchane-i Alem- i Chassa".
(=Trommelhaus der privaten Fahne, gem. persönliche Standarte des Sultans). |
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| Tablchane-i Alem- i Chassa |
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Jetzt
schauen wir uns die Tablchane-i Alem- i Chassa des Sulejman
II., des Prächtigen, näher an.
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Die
Musiker tragen ähnliche Kopfbedeckungen wie der Sultan.
Sie gelten als Gelehrte des sunnitischen Islam. (Ob sie wirklich
Gläubige des Islam sind, spielt hier keine Rolle. Sie
"repräsentieren" hier den Staat samt seiner
Ideologie).
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| Die Tablchane
bei der Schlacht von Mohacs. Ausschnitt aus der oben abgebildeten
Buchmalerei. img0000000409 |
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| Sie sind die Repräsentanten
der Tabl-i Alem (=Die Trommel der Fahne, Herrschaftssymbol der Osmanen).
Hinter ihnen sind die Standarten aufgestellt.. |
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| Die drei Pferdeköpfe,
die wir vorne im Bild sehen, sagen uns, dass die Musiker beritten sind. |
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| Hier sind 2 Nafiir (=Trompeten),
3 Surna (=Schalmaien), 2 Paar "Sill" (=Becken) und 2 Tabl (=Trommeln)
zu sehen. |
| Es fehlen uns hier noch zwei
Instrumente der Standardbesetzung der Mihterchane: Naqqaaare (=Kleine-)
und Kuuss (=Große Doppelpauken). |
| Dafür sehen wir die 1.
und 4. Köpfe der Musiker von rechts, ohne ihre Instrumente anblicken
zu können. |
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| In den folgenden Kapiteln
werden wir anhand der historischen Dokumente feststellen, dass in der Tablchane-i
Alem- i Chassa des Sulejman II. des Prächtigen kein Musikinstrument
der Mihterchane fehlte. |
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| Was bedeutet hier die zweifache
Ausführung der dargestellten Instrumente? |
| Ganz einfach: Dass sie "mehrfach"
vorhanden sind, aber nicht in ihrer vollen Anzahl ins vorgesehene Bildfeld
hineinpassen. |
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| Und warum sind die Surna 3fach
dargestellt? |
| Und warum ist die 1. Surna
länger als die anderen? |
| Die erste ist eine Kaba (=Grob;
gem. tiefklingend, Bass)- Surna, und die weiteren sind die Djura (=Hochklingend,
Diskant)- Surna. |
| Das ist auch eine Andeutung
auf die Mehrstimmigkeit der Mihterchane. (Nicht zu verwechseln mit der tonalen
Dur- Moll- Harmonik). |
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| Die genauere Besetzung der
Tablchane-i Alem-i Chassa des Sultans Sulejman II. werden wir erst bei der
ersten Wienbelagerung feststellen können. |