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10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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| Zu Zeiten Sulejmans II., des Prächtigen, sind die jährlich etwa im Mai beginnenden Feldzüge selbstverständliche berufliche Tätigkeit des Sultans. |
| Die alljährlichen Feldzüge zur Erweiterung der Reichsgrenzen beanspruchen drei Jahreszeiten. |
| Der Sultan ist wie zu den Anfängen der osmanischen Dynastie ein Nomade und haust mit Ausnahme der Wintermonate im Zelt. |
| Jedoch ist sein Zelt nicht mehr ein solches der Nomaden, sondern ein imperiales Zeltlager mit allerlei Komfort und Dienstpersonal. |
| Bei den Feldzügen der Sultane sind daher nicht nur die Obengenannten, sondern auch die Anwesenheit der Mihterchane-i Chassa (= Die private Mihterchane; gem. persönliche Mihterchane des Sultans) und die anderen Näwbetchane (= Haus der Periode; gem. zu Tageszyklen spielende Kapellen; die Kapellen der Provinzen wurden meistens so genannt) eine Selbstverständlichkeit. |
| Mit dem Feldzug 1521 eroberte Sulejman Belgrad und sicherte die Donau- Sawe-Linie ab. 1526 wurde das ungarische Heer bei Mohacs vernichtet und mit der Eroberung Ofens (=Buda) begann die osmanische Herrschaft über Ungarn. |
| Somit wurden in den Tagebüchern die zwei Ungarnfeldzüge des Sulejman von 1521 und 1526, im Gesamtumfang von 64 Seiten in Lisan-i Osmani (= osmanische Sprache) (aber fast doppelt so lang in der deutschen Übersetzung), die Mihterchane (hier genannt Tablchane, "Haus der Trommel") kaum beschrieben, jedoch hie und da nebenbei erwähnt. Schändlinger, 1975, A187B |
| Dagegen werden die Grausamkeiten wie das Köpfen der Gefangenen, die Versklavung der Zivilisten, das Brandschatzen, Plündern usw. von den osmanischen Chronisten in stolzer Genauigkeit beschrieben. |
| Inmitten der alltäglichen "Schlachterei" verbringt der Sultan seine Freizeit mit Vergnügungen. Diese werden in einer Art beschrieben, als wäre von einem jungen Bankbeamten die Rede, der sich nach einer fleißigen Arbeitswoche am Samstagsabend einen wohlverdienten Diskothekbesuch gönnt. |
| Den Berichten über das Badevergnügen des "Sultans des Glücklichen, Schatten Gottes auf Erden", über die Sportwettbewerbe, Jagdzüge, Tänzer-, Gaukler- und andere Unterhaltungsveranstaltungen folgen immer die Berichte über die Schlachten und Massaker. |
| Wenngleich es in den Tagebüchern nicht erwähnt wird, schreibt der Sultan nach dem täglichen Schlachtgeschäft in den Nächten an seine Haremssklavin und "Nicht Muslimin Göttin" Roxane (von den Osmanen "Hurrem Sultan" genannt) sehnsuchtsvolle Liebesgedichte, welche in den Kanon der osmanischen Kunstliteratur aufgenommen wurden. |
| In
den Tagebüchern wurden bei vielen der Unterhaltungsveranstaltungen
auch die "musikalische Begleitung" ohne nähere Beschreibung
erwähnt. Aber Vorsicht: |
| Der osmanische Hof hat mehrere Musikgattungen und mehrere Musikkapellen mit verschiedenen Instrumenten und Besetzungen. |
| In den wenigen Stellen der Tagebücher ist die Tablchane zu identifizieren: |
| Am Freitag, 21. des Monats Scha´ban, 1521, setzt der Sultan seinen Fuß in das Land Srem. |
| "Zuerst setzte man die Standarten mit Musik über, und dann setzte der Sultan selbst über." (Ü.: Schändlinger) Schändlinger, 1975, S. 65, 10: 15, A187B |
| Nach der Eroberung Belgrads: |
| "Im hohen Diwan wurde die Freudenpauke dreimal geschlagen, und die gelb-rote Fahne der Janitscharen wurde unter Trommelwirbel auf die Burg gebracht." (Ü.: Schändlinger) Schändlinger, 1975, S. 81, 10: 15, A187B |
| In noch wenigen Stellen erfahren wir, um welche Tablchane es sich handelte: |
| Nach dem Fastenmonat Ramadan,
am 1. des Monats Schewwal, wurde das "Ijd-i scherif"
(=Das ehrwürdige Fest) in Belgrad gefeiert. Der osmanische Chronist beginnt die Aufzählung der Festaktivitäten so: |
| "Paschanin Tablchaneleri dögilub..." (Transliteration aus osm. Schrift: mgs) Schändlinger, 1975, Originaltext 35: 5, A187B |
| "Die Kapellen des Paschas schlagend..." (Ü.: mgs) |
| Mit "Pascha" ist der Großwesir Sulejmans, Ibrahim Pascha, der Grieche, gemeint. |
| Das "Schlagen" ist auf die "Tabl" (=Trommel) bezogen, aber hier im Sinne von "Spielen" auf die ganze Kapelle übertragen. |
| Aber warum wurden die "Kapellen" (=Tablchaneler) in Mehrzahl geschlagen? |
| Ist damit die Größe der Besetzung der Kapelle des Paschas, oder sind die Kapellen von mehreren ihm unterstellten Einheiten gemeint? |
| Beide Varianten sind möglich. Ich vermute eher, dass der Chronist als Nicht- Musiker mit den "Trommelhäusern" (Tablchaneler) die vielen Instrumente der Tablchane und mit "Schlagen" das "Spielen" dieser meinte. |