Desiderat der Forschung

und Problemdarstellung

 
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dr. memo g. schachiner
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start: 10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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Die Ergebnisse meiner bisherigen Forschung
 
Meine bisherigen Forschungsarbeiten widerlegen alle die seit langem nicht mehr hinterfragten Dogmas der Musikgeschichte bezüglich der "Janitscharen-" bzw. "türkischen Musik".
 
Die "Janitscharen-" bzw. "türkische Musik" war die historische Bezeichnung im deutschsprachigen Raum für eine europäische musikalische Modeströmung des 18. Jahrhunderts.
 
Die Feldmusikkapelle der Osmanen hieß Mihterchane und hatte weder mit den Janitscharen noch mit den Türken etwas zu tun.
 
Die Mihterchane war weder die älteste Militärmusikkapelle der Welt, noch kam sie aus Zentralasien.
 
Sie war ursprünglich nicht einmal eine Militärmusikkapelle und wurde mit der Eroberung Konstantinopels vom byzantinischen Hof übernommen.
 
Übernahme der Janitscharen- Instrumente nach der zweiten Wienbelagerung
 
Alle TR-internen sowie - externen AutorInnen sind einig, dass die "Instrumente der Janitscharen" nach der zweiten Wienbelagerung von der österreichischen Militärmusik übernommen wurden.
 
Die vermeintlichen Janitscharen- Instrumente wie Triangel und Schellenbaum waren für die Mihterchane unbekannt.
 
Meine bereits hier aufgezählten Forschungergebnisse zeigen, dass kein einziges Instrument "nach der zweiten Wienbelagerung" von der österreichischen Militärmusik übernommen wurde.
 
Desiderat der Musikwissenschaftlichen Forschung
 

Nach der Aufzählung der bisherigen Forschungsergebnisse möchte ich im Folgenden mit dem eigentlichen Thema dieser Arbeit "Die Mihterchane und das Habsburgerreich" beginnen.

 
Ist die Erforschung auch dieses viel zerkauten historischen Gebietes noch immer notwendig?
 
Ja.
 
Problem 1) Alle AutorInnen, die sich mit der "Janitscharenmusik" befassten, erwähnten die Anwesenheit der "Janitscharenmusik" bei der zweiten Wienbelagerung. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und den Osmanen dauerte Jahrhunderte lang. Obwohl über die "Janitscharenmusik" bisher fast soviel geschrieben wurde wie über die Musik von Mozart, wurde die Mihterchane in den habsburgisch- osmanischen Kriegen noch nie systematisch untersucht.
Hier werde ich dieses Versäumnis nachholen, die Begegnungen des habsburgischen Reiches in den Kriegen mit der Mihterchane dokumentieren und die eventuellen Einflüsse dieser Begegnungen auf die habsburgischen Musikkapellen untersuchen.
 
Problem 2) Alle TR-externen AutorInnen beschäftigten sich bisher mit der "Kriegsmusik" der Janitscharen. Die Mihterchane war aber nicht nur eine "Militärmusik"-Kapelle.
Die Begegnungen des habsburgischen Reiches mit der Mihterchane im Frieden wurde noch nie systematisch untersucht.
Ich werde im Folgenden die Begegnungen des habsburgischen Reiches im Frieden mit der Mihterchane dokumentieren und die eventuellen Einflüsse dieser Begegnungen auf die habsburgischen Musikkapellen untersuchen.
 
Problem 3) Alle AutorInnen, die über die osmanische Feldmusikkapelle oder über die Geschichte der österreichischen Militär- und Blasmusik schrieben, sind einig, dass nach der zweiten Wienbelagerung die habsburgischen Militärmusikkapellen unter Einfluss der türkischen bzw. Janitscharenmusik neu formiert wurden.
 
Die meisten dieser AutorInnen untersuchten nicht spezifisch diesen Einfluss, sondern übernahmen ein längst eingesessenes "Postulat" der Musikwissenschaft.
Wurden die "Banda" der "türkischen Musik", die ab 18. Jahrhundert allmählich im habsburgischen Heer Einzug fanden, von den Osmanen und durch die zweite Wienbelagerung übernommen?
In dieser Arbeit werde ich auch dieses "Dogma" in Frage stellen und die habsburgischen Militärmusikkapellen mit der Mihterchane verglichen dokumentieren.