Von Zentral- Asien

nach Konstantinopel

 
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dr. memo g. schachiner
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start: 10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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(In einer sehr stark gekürzten Fassung übernommen aus meinem Buch: "Quellen und Dokumente zu den Janitscharen und ihre Musikkapelle im kaiserlichen Österreich", 2003, D00100000242W)
 
Die älteste Musikkapelle der Welt
 
Alle TR-internen und viele TR-externe Autorinnen sind sich einig, dass die Feldmusikkapelle der Osmanen -wie sie sie immer benennen wollten- die älteste Musikkapelle der Welt war.
Da machte ich mir die Mühe und dokumentierte die Militärmusikkapellen seit des antiken Mesopotamien bis zur Gründung der osmanischen Dynastie.
 
Die Kapelle aus Zentral- Asien
 
Alle TR-internen und viele TR-externe Autorinnen sind einig, dass die Feldmusikkapelle der Osmanen -wie sie sie immer benennen wollten- aus Zentral- Asien kam.
Ihr einziges Argument ist, dass "die Osmanen ein Turkvolk waren und aus Zentral- Asien kamen" !!!
Meine Forschungen ergaben, dass von der Antike bis zur Gründung der osmanischen Dynastie weder so eine Kapelle noch ihre Instrumente in Zentral- Asien nachweisbar sind.
 
Das Geschenk der Seltschuken
 
Alle TR-internen und manche TR- externe AutorInnen sind einig, dass die Feldmusikkapelle von den Rum (= römischen, anatolischen) Seltschuken aus Zentralasien nach Anatolien gebracht und "fix und fertig" den Osmanen geschenkt wurde.
Tatsächlich wurde Osman Gaasii von den Seltschuken zu einem "Udsch- Bej" (=Grenzposten- Freiherr) ernannt und beauftragt, die westlichen Grenzen gegen die Byzantiner zu schützen.
Dass Osman sich bald mit den Byzantinern einigte und die umliegenden Dörfer plünderte, hat mit unserem Thema nichts zu tun.
Zu seiner Ernennnug zum Freiherrn bekam Osman von den Seltschuken u. a. eine Trommel, die bis zur Eroberung Konstantinopels täglich zu Ehren der -bereits zur Geschichte gehörenden- Seltschuken geschlagen und deren Klängen von den osmanischen Herrschern in der Ehrenhaltung stehend zugehört wurde.
Alle osmanischen Chronisten sind einig, dass es sich beim Ehrengeschenk nicht um eine Kapelle, sondern um eine Trommel handelte.
 
Die Kapelle der Janitscharen
 
Die meisten TR-externen AutorInnen bringen die sog. "Janitscharenkapelle" mit der Gründung der Janitscharen zusammen.
Manche davon setzen die Gründung der Janitscharen und damit "ihrer" Kapelle zu Zeiten des Orhans (1281- 1360; HZ: 1325- 1360) voraus.
 
Wie wir bereits wissen, hat die Mihterchane mit den Janitscharen nichts zu tun.
 
Die Tradition der Mihterchane
 
Die Mihterchane der Osmanen beruht auf einer langen Tradition, die bis zum antiken Mesopotamien zurück zu verfolgen ist.
Die Feldmusikkapelle erlangte ihre noch Jahrhunderte dauernde Volkommenheit in dem persisch- islamischen Kulturkreis.
Zur Gründung der osmanischen Dynastie verfügten alle islamischen sowie christlichen Großmächte des "Orients" über solche Kapellen.
Abgesehen davon, dass die Raubritter-Konföderation der Osmanen zu ihren Anfängen weder über diese Instrumente noch über deren Spieler verfügte, hinderte sie vor allem der Ehrenkodex der Zeit und der Gegend, so eine Kapelle aufzustellen.
Denn es war genau geregelt, welch eine Machtgröße der Gegend über was für eine Kapelle verfügen durfte.
Als eine kleine Gemeinde eine imperiale Feldmusikkapelle zu führen bedeutete für die Osmanen die Proklamierung ihres Imperiums und wurde so als eine Provokation aufgefasst und mit ihrer baldigen Vernichtung beantwortet.
 
Die eroberte Kapelle
 
Nach der Eroberung von Konstantinopel hatten die Osmanen die Musikinstrumente, die Musiker, und vor allem die Legitimation eine imperiale Feldmusikkapelle zu besitzen.

So ersparten sie sich eine sinnlose Importtransaktion aus Zentral- Asien.