|
start:
10 october 2005, up-date: 10 october 2005
|
|
(In
einer sehr stark gekürzten Fassung übernommen aus meiner noch
nicht veröffentlichten Forschungsarbeit: "Was heißt Türk?")
|
| Türkische Nation heute |
| Nach dem ersten Weltkrieg blieb den Osmanen etwa die heutige Türkei übrig. |
| Innerhalb dieser Grenzen, obwohl Siegermächte die Sebstbestimmungsrechte der verschiedenen osmanischen Völker anerkannten, begann ein religiös "legitimierter" Bürgerkrieg. |
| Nach dem Sieg der sunnitischen Muslime gegen die Andersgläubigen, und der Niederlage des kleinen griechischen Heeres, welches die mehrheitlich von den Griechen bewohnten Gebiete schützen sollte, wurde 1923 die "Islamische Republik der Türkija" gegründet. |
| Da der Oberbefehlshaber des Heeres Mustafa Kemal (später gen. "Atatürk" = Ahn-Türk") als Alleinherrscher die Machtkonkurrenz der islamischen Gelehrten nicht mehr brauchte, distanzierte er sich vom Islam, und nahm die religiösen Institute unter seine direkte Kontrolle. Der letzte Sultan und zugleich Kalif des sunnitischen Islams wurde vertrieben. Das Institut Kalifat wurde "abgeschafft". Damit begann in der TR der bis heute dauernde Konflikt zwischen den Muslimen und dem Militär. |
| Somit wurde die "Einmann-Republik" der "Türkiye" (=Türkei) gegründet. |
| Die neue Legitimierungs-Ideologie der "Republik" war die aus Europa importierte "Rassenideologie". |
| Demnach waren die Überlebenden des ehemaligen osmanischen Reiches in der TR "Türken" und kamen aus "Zentralasien". |
| So begann die Zwangstürkisierung der zahlreichen Ethnien des Landes. |
| Nach 80 Jahren Indoktrination, Repression und Massaker gibt es heute nicht nur eine türkische Nation, sondern auch einen sehr verbreiteten Nationalismus und Rassismus in der TR. |
| "Türk" in der Geschichte |
| Für die römisch- katholische Kirche hieß spätestens seit den Kreuzzügen "Türk" der "Christenfeind". |
| Für die Habsburger war der "Türck" der "Erzfeindt Christi". |
| Türk war historisch gesehen weder eine Nationalitäts-, noch eine Rassen-bezeichnung. |
| Es war ein "Feindbegriff" der habsburgisch- katholischen Staatsideologie. |
| Und die Osmanen, die Jahrhunderte lang die habsburgische Macht bedrohten, waren der "Türck" schlechthin. |
|
Türk für die Osmanen |
|
Den Osmanen war der dem "Türck" adäquate Begriff "Kaafiir". So nannten sie die Christen in den "noch nicht (!)" eroberten Länder. |
|
Der Erzfeind der Osmanen waren aber nicht die Christen, sondern der "Tirk" (Mehrzahl "Ekraad", arab.). |
|
So nannten sie die alevitischen Turkmenen, die nicht sesshaft werden und Steuer zahlen wollten. |
| Nach Jahrhunderte langem, systematischem Völkermord wurden die Turkmenen in Anatolien fast zur Gänze vernichtet oder vertrieben. |
| Rassenklassifizierung der Anthropologie |
| Im 19. Jahrhundert entstand in der Philologie der Begriff "Turksprachen". Von Koreanisch bis Finnisch, von Osmanisch- bis zur Innuit-Sprachen, sollte ein Großteil der Weltsprachen dieser Sprachfamilie angehören, deren Wurzeln in Zentral- Asien liegen sollten. |
Die Theorie konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, aber der Begriff wird heute noch immer in der Philologie verwendet. |
| Der philologische Begriff wurde von der frühen Anthropologie=Völkerkunde= Rassenkunde übernommen und in der Rassenklassifizierung eingesetzt. So wurden die Begriffe "Gelbe Rasse" und "Mongoliden" zum Großteil von dem Begriff "Turkvölker" abgelöst. |
| So gehörten die Völker, die angeblich eine "Turksprache" sprechen, zu der Rasse der "Turkvölker". |
| Da das osmanische Reich noch existierte, wurden die vielen Völker des Reiches in einen Topf geworfen und die osmanischen Untertanen wurden als das "Größte Turkvolk" bezeichnet. |
Es ist nicht denkbar, dass heute in der Geschichtswissenschaft an einer europäischen Universität das habsburgische Reich als "Germanenvolk" bezeichnet würde. |
| Leider nicht nur in der TR, sondern überall auf der Welt, beginnen viele Bücher des universitären Unterrichts über die Osmanen heute noch immer mit der "Geschichte der Turkvölker" und die Osmanen werden als das "Größte Turkvolk" oder einfach gar als die "Türken" bezeichnet. |
| Die Musikwissenschaft und das "Türkische" |
| So ist es nicht verwunderlich, auch in der Musikwissenschaft, dass die die Osmanen und die Türkei betreffenden Begriffe der heute wissenschaftlich nicht mehr vertretbaren "Rassen-Ideologie" heute noch immer als "wissenschaftlich" gelten. |
| Das betrifft nicht nur die Feldmusikkapelle der Osmanen, sondern auch die Volksmusiken der verschiedenen Völker, die noch immer in der TR leben. |
|
Abstammung der Musiker der Feldmusikkapelle des osmanischen Hofes |
|
Die
Musiker der Hofmusikkapelle des osmanischen Hofes stammten aus sehr vielen
verschiedenen Völkern, die inner- und außerhalb des Reiches
lebten. Das Repertoire der Kapellen bestand nicht aus "türkischer
Musik". |