Die Instrumente

der Mihterchane, II

 
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dr. memo g. schachiner
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start: 10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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(Eine Kurzfassung meines Buches "Quellen und Dokumente zu den Musikinstrumenten der Mihterchane im kaiserlichen Österreich". schachiner, 2002, D00100000243W)
Die Sill (=Die Becken)
Die Sill der Mihterchane sind die Becken, die tellerförmigen Metallscheiben.
 
Sie wurden im Spiel immer als Doppel eingesetzt.
 
Die Becken wurden aus Metall hammergetrieben, in Handarbeit erzeugt.
Ursprünglich aus Kupfer gemacht, wurde später als Material der Becken eine spezielle Legierung verwendet.
 
Kupferstich von Luigi Ferdinand Marsigli, 1732, img0000000088
Der Durchmesser und die Höhe der Becken waren sehr verschieden.
Für die Haltegriffe der Becken wurden Lederriemen verwendet.
Für die Schallerzeugung wurden die Becken zusammen geschlagen oder gerieben.
Sie wurden senkrecht oder/ und waaggrecht gehalten.
Sie wurden stehend, marschierend oder reitend gespielt.
Der Sill- Spieler der Mihterchane wurde "Sill-sen" genannt.
Die Surna (=Die Schalmei)
Die Surna der Mihterchane ist ein Doppelrohrblatt- Aerophon.
Ihr Korpus war aus Hartholz. Das zylindrische Rohr verbreitete sich konisch zum Schalltrichter.
Kupferstich von Luigi Ferdinand Marsigli, 1732, img0000000076
Das Mundstück, genannt arab. "Sibsi", bestand aus einem dünnen Metallrohr, auf das ein ca. 2 cm langes flachgedrücktes Rohr aus Schilf gebunden wurde.
 
Für das Binden der Teile wurden Baumwollfaden verwendet. Auch am anderen Ende des Metallrohrs wurden solange Baumwollfäden aufgewickelt, bis das Loch auf der Kopfseite der Surna luftdicht gestopft war.
 
Der Spieler atmet nur durch die Nase und benutzt mit aufgeblasenen Wangen den Mundhöhlenraum als Luftsack.
 
Das Mundstück, img0000000254
Diese Blastechnik, genannt Zirkular-Atmen, ermöglicht eine ununterbrochene Spielweise wie bei einem Dudelsack oder einem Didgeridoo.
Eine kreisförmige Metallscheibe, die Mundstütze, war und ist für die europäischen BeobachterInnen ein großes Rätsel.
Das Pressen der Lippen auf die Mundstütze erleichtert vielleicht das zirkulare Atmen.
 
Hauptfunktion der Scheibe, welche als optischer Unterschied zwischen der europäischen Schalmei und der Surna der Mihterchane auffällt, war aber der Schutz des Spielers.
Die Surna wurde im Tanz, Sport und Kampf eingesetzt.
Auch bei der zivilen Feldmusik ( bestehend zum Beispiel aus einem Trommel-Schalmei-Paar) macht der Trommelspieler während des Spiels akrobatische Bewegungen und kann jederzeit an den Surna- Spieler stoßen.
 
Mundstück mit Schutzscheibe, img0000000253
Die Scheibe verhindert, dass der Surnaspieler von seinem eigenen Instrument aufgespießt wird.
Die Diskant- Surna, genannt Djura- Surna, war auch ein Instrument der Kunstmusik des osmanischen Hofes.
Noch heute ist die Djura- Surna in den ehemaligen Ländern des osmanischen Reiches, gepaart mit der Trommel, ein sehr verbreitetes Volkstanz-Instrument.
Die Djura- Surna ist ohne das Mundstück 35 cm lang.
Die 45- 50 cm lange Surna der Mihterchane war eine "Kaba" (=Grob)- Surna.
Die Surna hat auf der Oberseite 7 Löcher.
Die Löcher nahe zum Mund auf der Oberseite werden mit den Fingern, das einzige Loch auf der Unterseite wird mit dem Daumen der linken Hand, die weiteren Löcher mit den Fingern der rechten Hand gespielt.
Die Löcher, die auf allen vier Seiten des konischen Trichters angebracht werden, dienen nur zur Resonanz.
Die Surna, die heute in der Tanzmusik verschiedener Völker eingesetzt wird, hat den Tonumfang von g´ bis a´´.
Nach Sanal weist ein Botschafter- Präludium von Hasan Djan einen Tonumfang von c´ bis e ´´´ auf.
Nafiir (=Die Trompete)
Die Nafiir der Mihterchane ist eine "s"- förmig, später bügelförmig gewundene Naturtrompete.
Sie wurde im Spiel immer als Doppel eingesetzt.
Die Trompeten wurden ursprünglich aus Bronze, später aus Messing erzeugt.
 
Kupferstich von Luigi Ferdinand Marsigli, 1732, img0000000080
Die Nafiir war über 1 m lang.
Die Öffnung der Nafiir war konisch erweitert.
Die Nafiir wurde nur mit der rechten Hand gehalten und stehend, marschierend und reitend gespielt.
Beim Reiten wurde die linke Hand zum Halten der Pferdezügel verwendet.
 
Die Nafiir-Spieler wurden Nafiirii oder Borusen genannt.
 
Ausschnitt aus: Buchmalerei, unsigniert, datiert 1730, img0000000239