Die Instrumente

der Mihterchane, I

 
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dr. memo g. schachiner
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start: 10 october 2005, up-date: 10 october 2005
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(Eine Kurzfassung meines Buches "Quellen und Dokumente zu den Musikinstrumenten der Mihterchane im kaiserlichen Österreich". schachiner, 2002, D00100000243W)
Die der Mihterchane zugeschriebenen Instrumente
Eine Reihe von Instrumenten, die von den Mihterchane niemals gespielt wurden, sind im 20. Jahrhundert von den MusikwissenschafterInnen irrtümlich der Mihterchane zugeordnet worden.
Hier sind einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Rücksicht auf die Sprache und Schreibweise):
Tamtam, Querflöte, Single Kettle Drum (=Einzel-Pauke), Def (=Tambourin).
"Typische Instrumente der Janitscharenmusik"
Auch die öfters in der Literatur über die Feldmusikkapelle angeführten sog. "typischen Instrumente" gehören nicht der Mihterchane.
Für die Triangel gibt es im Osmanischen nicht einmal einen Begriff.
Das betrifft auch den Schellenbaum. Der öfters als Übersetzung des Schellenbaums angeführte osmanische Begriff "Tschewgan" bedeutet Schlagstock im Polospiel zu Pferd.
Die historischen Instrumente der Mihterchane
Die Instrumente der Mihterchane im Einzelnen sind:
Tabl (=Trommel)
Naqqaare (=Kleine Doppelpauke)
Kuuss (=Große Doppelpauke)
Sill (=Becken)
Surna (=Schalmei)
Nafiir (=Trompete)
Die Tabl (=Die Trommel)
Die Tabl ist eine zylindrische Doppelmembrantrommel.
Sie besteht aus einem zylindrischen Holzzarg, der beidseitig mit Tierhaut (meistens vom Schaf) bespannt ist, weiters einem Schlägel und einer Rute.
Die Membrane werden mit Riemen, meist W- oder N-förmig, über den Zarg gespannt.
Das Fell auf der rechten Seite ist etwas dicker als das auf der linken Seite.
Die Membrane werden rechts mit einem Holzschlägel, links mit einer Rute geschlagen.
Der Durchmesser sowie die Höhe des zylindrischen Zarges, ist sehr unterschiedlich, wie wir anhand des bisher untersuchten zahlreichen schriftlichen wie ikonographischen Materials, sowie der Quellen aus der heutigen Volksmusikpraxis der vielen Länder sehen können.
Da die Tabl am Hals des Spieler hängt und stehend, tanzend sowie reitend gespielt wird, übersteigt ihr Durchmesser meistens die Oberkörpergröße eines Mannes nicht.
Die Zarghöhe steht meistens annähernd 1:1 zum Durchmesser.
Der Tablspieler der Mihterchane wurde "Tablzen" genannt.
 
Kupferstich von Luigi Ferdinand Marsigli, 1732, img0000000083
Die Naqqaare (=Die kleinen Pauken)
Die Naqqaare der Mihterchane sind die kleinen Doppelpauken, das Handpaukenpaar.
Sie wurden aus Kupfer oder Bronze, manchmal auch aus Holz oder Ton angefertigt und mit Tierfell bespannt.
Der rechte Kessel war größer als der linke.
Die Höhe der Kessel war ca. 30 cm. Der Durchmesser des Kleinen Kessels war ca. 30 cm, des großen ca. 40 cm.
Kupferstich von Luigi Ferdinand Marsigli, 1732, img0000000091
Sie wurden mit zwei gleichförmigen Hartholzschlägeln, genannt Sachme (=Schlag; persisch), gespielt.
Mit der linken Hand wurde die linke Pauke, mit der rechten Hand wurden aber beide Pauken gespielt.

Die reitenden Spieler befestigten die Pauken vorne an ihrem Sattel.

Um beim Marschieren spielen zu können, wurden sie mit Ledergurten an den Gürtel gehängt.
Wenn die Naqqaare in den Stadtkonzerten eingesetzt wurden, wurden sie mit gekreuzten Beinen sitzend gespielt.
1663 im Krieg von Osmanen erbeutet , img0000000197
In diesem Fall, um sie festzuhalten und ihre Berührung mit dem Boden zu vermeiden, wurden die Pauken auf den mit Watte gefüllten Stoffreifen, genannt Simit, aufgesetzt. (1)
Der Naqqaarespieler der Mihterchane wurde "Naqqaaresen" genannt.
Die Kuuss (=Die große Pauken)
Die Kuuss der Michterchane sind die großen Doppelpauken, die Imperial- Heerespauken.
 
Die Gefäße der Naqqaare wurden aus Metall durch Schlagen getrieben. Die Kessel der Kuuss wurden aus Kupfer oder Bronze gegossen und mit Kamelfell bespannt.
Die Spannungsform der Riemen war meistens W- förmig.
Die rechten und die linken Kessel waren gleich groß.
Sultan Sulejman II. der Prächtige soll im Sigetvar Feldzug nicht nur die von den Kamelen getragenen großen, sondern auch die von den Elefanten getragenen Riesen-Kuus eingesetzt haben:
Farbminiatur von Lewni, 1720, img0000000202
"Der Durchmesser der Sigetvar Kös ist 130 cm, die Höhe derselben 127 cm." Konyali, 1943, S. 52
"... um die Kös in der Baghdader Festung im 17. Jahrhundert zu spielen, musste man auf eine 3 stufige Leiter steigen. (Evliya Celebi, Seyahatname, Bd. IV, S. 418)." Sanal, 1959, S. 75, A289B
Die Kuuss-Paare wurden mit zwei gleichförmigen Hartholz- Schlägeln gespielt.
Mit der linken Hand wurde die linke Pauke, mit der rechten Hand die rechte Pauke gespielt.
Beide Hände spielten abwechselnd nur die schweren Schläge der Takte.
Bei den Feldzügen und Prozessionen wurden die Pauken auf Kamelen, nach Ewlia Tschelebi sogar auf Elefanten geführt.
Wenn die Kuuss in den Stadtkonzerten eingesetzt wurden, wurden sie auf den Boden gestellt und stehend gespielt.
Der Kuusspieler der Mihterchane wurde "Kuuss-sen" genannt.
 
Kupferplatte, 1683, img0000000093
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1) Vergl. mit der indischen Tabla.