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28 august 2001, up-date: 03 april 2006
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| Improvisation über den instrumentalen Refrain des alevitischen Liedes "Haydar" von Ali Ekber Cicek |
| Saz: Mansur Bildik |
| Aufnahme: Ursula Hemetek, 25 10 1999, Interkulttheater Wien |
| Transkription: Memo G. Schachiner |
| Diese Komposition stammt von einem noch lebenden Komponisten, der in der alevitischen Volkstradition komponiert. Mansur Bildik improvisiert hier nur über den instrumentalen Refrain dieses Liedes. Er spielte diese bei einem Auftritt im Interkulttheater als Zugabe. |
| Der formale Aufbau des Stückes erfolgt in 9 Motiven, die entweder 2, 4, oder 8 Mal wiederholt werden. In der Transkription sind die Wiederholungen nicht angeführt. Transkribiert ist in der Originaltonhöhe. Das 9. Motiv ist eigentlich die Einleitung der Schlußsequenz. Was die Taktstruktur betrifft, so handelt es sich um einen 9/8 Takt, wobei im 5. Motiv dieser einmal in einen 4/8 und 5/8 Takt geteilt wird. Nach dem 5. Motiv wird der zweite Teil mehrmals wiederholt. |
| Das Tempo ist sehr rasch. In der oberen Zeile der Transkription ist die Melodie angegeben, in der unteren der Bordun. Die Melodie setzt rhytmische Akzente, die nicht mit dem Bordun übereinstimmen, was ein besonderes Stilmittel des Künstlers ist. |
| Als Tonmaterial verwendet der Künstler zwei verschiedene Makame, nämlich den nikriz (egentlich auf C) und den yegah (eigentlich auf G) (nach Aussage von Memo G. Schachiner). Die Grundtonart ist der nikriz, interpretiert auf dem Grundton a, wobei es sich um eine intervallgetreue Transposition handelt. |
| Die Abfolge des Stückes verläuft folgendermaßen: |
| Im 1. Motiv wird der Grundton eingeführt. Da die Saz auf a gestimmt ist, ist es das a. Bordun und Melodie wechseln einander auf dem Grundton ab, die Melodie ist rhythmisch aufwendig gestaltet. |
| Im 2. Motiv wird bei der zweiten Betonung die Terz eingeführt, sie liegt etwas über der temperierten kleinen Terz (317 Cent), rhythmisch genauso gestaltet wie Motiv 1. |
| Im 3. Motiv wird die Quint eingeführt, durch den Leitton zur Quint vorbereitet, was eine Spannung erzeugt und für diesen Makam ganz typisch ist. Die verminderte Quint (611 Cent) führt zur reinen Quint. |
| Im 4. Motiv folgt die 7. Stufe und zwar in der absteigenden Form des Nikriz (aufwärts hat er ein gis, absteigend ein g). |
| Im 5. Motiv folgt ein Makamwechsel: |
| Er wechselt zum yegah, angedeutet durch den Bordun. Er verwendet hier eine besondere Spieltechnik, die einen eigenartigen Effekt bewirkt. Er spielt einen Vorschlag, bestehend aus as und h, wobei dieses flageolettartig gespielt wird und eine Oktave höher klingt. Das geschieht so kurz, daß man den Ton kaum als eigenständig wahrnimmt, sondern den Eindruck hat, daß etwas mitklingt, was gar nicht gespielt wird, daß bloß einer der Teiltöne verstärkt wird. |
| Im 6. Motiv kommt der Leitton zum Grundton. |
| Im 7. Motiv erscheint ein scheinbarer Wechsel zum nikriz, der sich im 8. Motiv aber wieder in den yegah auflöst, durch das Leittonmotiv, schon bekannt aus Motiv 6. |
| Das 9. Motiv dient zur Vorbereitung der Schlußsequenz, es bewegt sich schwebend zwischen nikriz und yegah, dann folgt das Motiv 8, worauf mit Motiv 1, Motiv 2 und Motiv 1 geschloßen wird. |
| Dieser Motivaufbau zeigt sehr deutlich, wie behutsam der zuhörer in die Makamstruktur eigeführt wird, langsam werden immer neue Stufen vorgestellt, es ist eine Reise in neue Tonwelten, die dann letztlich zum Ausgangspunkt zurückführt. |
| Dies geschieht mit großer Virtuosität – die kleinen Notenwerte sind sehr schwer zu spielen. Die Improvisation betrifft eben diese rhythmische Diminution, wie auch die Ausgestaltung von Melodie und Bordun. Die Zuhörer, die aus der Kultur stammen, können diese wege genau nachvollziehen. |