Geschichte der Klezmerkapellen

 
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von isaak loberan
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start: 06 december 2001, up-date: 5 june 2006
Aus verschiedenen Quellen haben wir erfahren, daß in den Städten, wo jüdische Gemeinden waren, immer auch Klezmerkapellen existierten.
Eine jüdische Hochzeit ohne Klezmermusik ist nicht vorzustellen; und das ist nicht nur typisch für das 19. Jhdt.
In den erinnerungen von Rabbi Mintz, Ende des 15., Anfang des 16. Jhdt., wird eine jüdische Hochzeit in Bamberg und Posman in Polen beschrieben und in diesem Ritual spielt die Musik eine wichtige Rolle. (M. Gideman, Jüdische Kultur- Geschichte im Mittelalter, Berlin, 1922)
Aber nicht nur in friedlichen Zeiten, auch in den Jahren der Pogrome und Exile, erklang auf den jüdischen Hochzeiten Musik.
In einer jüdischen Gemeinde in Litauen steht in einem Protokoll:
"Wir sind in Trauer, infolge der Leiden die unsere jüdische Gemeinde erreicht hat. In keinem jüdischen Haus muß Musik erklingen; kein musikalisches Instrument für die Bräutigam und die Braut bis zur Pessach Feier 1651. Ausgenommen die Rituale: zu der Chupe und Badekn die Kale. Anschließend ist die Musik wieder verboten."
Es ist bekannt, daß in Deutschland, wenn die Hochzeit, zum Beispiel wegen Trauer in der Fürstenfamilie, nicht stattfinden konnte; in einen anderen Ort verlegt wurde, damit Musik gespielt werden konnte.
Im 16. Jhdt. haben Klezmorim in Polen einen starken Konkurrenzkampf mit Musikern nichtjüdischer Abstammung geführt.
Die polnischen Musiker haben die Zünfte begründet.
Jüdische Musikanten konnten dort nicht aufgenommen werden, denn es war nicht nur berufliches Interesse, sondern auch religiöse Zugehörigkeit von Belang.
Der Kampf wurde begonnen, um den jüdischen Musikern das Musizieren bei den Christen zu verbieten.
1549 bekamen die polnischen Zünfte diese Königsprivilegien.
In den jüdischen Gemeinden war aber für die Musiker nicht genug Arbeit und sie konnten sich nicht ernähren.
Genauso wie den jüdischen Musikern aber verboten war bei Christen zu spielen, war es den christlichen Musikern untersagt bei jüdischen Hochzeiten zu spielen.
Wer diese Anordnung übertrat mußte beim erstenmal 3 Pfund Wachs in die Zunft einbringen.
Beim zweitenmal, wurde er als amoralisches Mitglied ausgeschloßen.
Es ist aber nicht sicher, daß alle Zünfte dieses Verbot auch wircklich einhielten.
Bekannt ist, daß in Krakau, in Polen, die Juden für die Christen aufspielten.
1582 erhielten die Zünfte neue Königsprivilegien, die besagten, daß allen Musikern, die nicht Zunftmitglieder waren -und das waren jüdische und italienische Musiker- es untersagt war bei Christen zu spielen.
In Lemberg, zeigt ein Dokument von 1629, daß jüdische Klezmer und christliche Zünfte eine Vereinbarung getroffen haben, wonach jüdische Musiker bei Hochzeiten und Banketten von Christen spielen durften und christliche Musiker bei Juden am Shabbat und anderen Feiertagen spielen durften.
Diese Vereinbarung besagt auch daß die Klezmerzunft 10 polnische Zloten der christlichen Zunft zahlen muß, und für das Magistrat 2 polnische Zloten.
Die Klezmer Zunft in Lemberg hatte 13 Mitglieder.
Einige von ihnen hatten andere Brotberufe: Zum Beispiel: Hutnäher, Schmuckler.
Jüdische Zunft- Klezmer spielten: Geige, Laute, Zimbel, Baß, Tamburin.
In der Klezmerzunft waren nur die Orchestermusiker.
Außerhalb der Zunft waren Solisten mit: Zither und Harfe, die Musiker Isaak und Josef.
Der Musikwissenschafter Paul Nettl publizierte eine Reihe von Dokumenten, die die Lage der Klezmerkapellen in der 2. Hälfte des 17. Jhdts. in Prag, beschrieben.
Auch dort waren die jüdischen Musiker nicht in die Zunft der Musikanten aufgenommen.
Ihnen war es nur erlaubt bei den Juden zu spielen.
1641 haben sie das Recht bekommen auch auf nichtjüdischen Hochzeiten und Feiern zu spielen, denn die Bevölkerung hat sie gerne eingeladen.
Hier wiederum erhoben die christlichen Musiker Klage beim Magistrat, gegen die Klezmorim.
In den Beschwerden war geschrieben, daß die Klezmer sehr schlecht spielen, keinen Takt halten können und "die edle Musik verderben".
Die Klezmer wandten gegen diese beschwerden ein: Sie würden Hungers sterben, wenn sie keine Arbeit annehmen dürfen ausserhalb der jüdischen Gemeinde.
Es könnte den Anschein haben, die Klezmer haben wirklich schlecht gespielt. Dies aber ensprach nicht den Tatsachen; denn in Bremen zum Beispiel, sprachen die Musikanten schlecht von allen ihren Konkurrenten.
Sie behaupteten, die Musiker dieser schönen Stadt würden "vertrieben von den schlechten Lyrikern".
Die Klezmer bewiesen, daß ihre gottseligen Väter! schon Bürger von Bremen waren und Geige und Viola gespielt haben.
Wenn sie kein Recht bekämen am Sonntag zur Hochzeit aufzuspielen, würden sie mit ihrem Familien Hungers sterben. (Arnheim, Aus dem Bremener Musikleben des 17. Jhdts.)
Sehr wenige Informationen gibt es von Klezmern in Weissrussland. In Dokumenten von 1794 und 1795 erfahren wir, daß im Sthetl Smilowic 53 jüdische Familien waren: 111 Männer und 181 Frauen. Dort waren zwei Klezmer.
Es waren 82 Männer und 133 Frauen und ein Klezmer im Sthetl Pogost.
In einer Information von 1811 im Sthetl Pragin finden wir 259 Juden und von ihnen zwei Klezmer.
Im Sthetl Klezk waren 662 Juden und drei Klezmer.
In der Stadt Minsk ist in den Protokolle der jüdischen Gemeinde kein Klezmer genannt.
Aber 1797 - 1805 treffen einigemale spezielle Bescheide ein, daß es einigen Musikern erlaubt ist, in Minsk zu wohnen und auf den Hochzeiten zu spielen, aber es ist verboten zu Chanuka mit musikalischen Gratulationen in die Häuser zu gehen.
Von einer Besetzung ist nichts geschrieben, aber aus dem Protokoll von 1803 ist zu schließen, daß in Minsk mehr als eine Kapelle existierte, denn es wird gesagt, daß Moische Ben Simon die Erlaubnis bekommt, Badchen zu sein und einen helfer bekommt, einen gewissen Mendel.
In diesem Dokument ist auch geschrieben, daß es diesen Leuten verboten ist, eine andere Klezmerkapelle zu "empfehlen".
Daraus ist zu schließen, daß in einem solchen Städtchen, Klezmer nicht zufällige, sondern typische Erscheinungen waren.
Die Lage von jüdischen Klezmern in Russland im 19. Jhdt.
war eine ganz andere als in Polen, Tschechien und Deutschland.
Sie hatten keine Konkurrenten im Sthetl und auch die professionell schwachen jüdischen Musikanten- Amateuren mußten zu den Festen und Feiern bei den Nichtjuden spielen.
Zum Beispiel schreibt der Schriftsteller Bagrov in seinem autobiographischen Werk "Notizen zu den Juden", 40. Jahr des vorigen Jhdts., "Es waren in der Stadt drei jüdische Amateure, die teilweise Violine, Flöte und Cello spielten. Der Bürgermeister hat sie gezwungen bei ihm zu spielen, da es keine anderen Musiker in der Stadt gab."
Anfang des 19. Jhdts. waren die professionellen jüdischen Musiker nicht so zahlreich, aber in der zweiten Hälfte sind die Musikgruppen sehr gewachsen, da sie sich frei organisieren konnten und die Kagal Organisation der Jüdischen Gemeinde teilweise ihre administrative Rechte verlor.
Im 19. Jhdt. wuchs die jüdische Bevölkerung in verschiedenen Sthetln, neue Kapellen entstanden wo vorher keine gewesen waren.
Wo eine Kapelle existierte, entstanden zwei.
Die begrenzte Zahl von Berufen, die für Juden im zaristischen Russland, nicht verboten waren, zwangen viele Leute die musikalisch begabt waren in den Musikerberuf als Haupt- oder Nebenbeschäftigung.
Zu Ende des 19. Jhdts. waren in Russland über 3000 jüdische Musiker. Nur in der Ukraine bis 2000.
Eine sehr interessante Information über eine Kapelle im Sthetl Habno bei Kiew, hat Beregowsky von dem Musiker Abraham Jehoshua Makonovetzky erhalten.
Diese Kapelle spielte nicht nur in Habno sondern in einem Umkreis von 40- 50 km., wo es keine Klezmerkapellen gab.
Sie spielten nicht nur auf den jüdischen Hochzeiten, sondern auch auf ukrainischen, tschechischen, deutschen, polnischen Bauernfesten und polnischen Gutbesitzern.
Bei den Bauernfesten wurden die selben Tänze wie bei den jüdischen Festen gespielt, jedoch bei den Gutbesitzern wurde Salonmusik gegeben.
Die Arbeit in den kapellen gab den Musikern aber, wie schon erwähnt, nicht genug Verdienst - besonders in so kleinen Stheteln wie Habno.
Und Makonovetzky beschreibt wie die Honorare unter den Musikern verteilt wurde:
Jeder Musiker erhielt einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen.
Zum Beispiel, 1. Geige erhielt mehr als die anderen und am wenigsten der Trommler.
In Polesie war folgende Verteilung:
1. Geiger- 22,5 Kopeken,
2. Geiger- 15 Kopeken,
Klarinettist 17 Kopeken
und so weiter bis zum Trommler- er bekam 7,5 Kopeken.
In der Ukraine war es anders:
Dort erhielt der 1. Geiger- 1 Rubel 50 Kopeken,
der 2. geiger- 1 Rubel 10 Kopeken,
der Trommler- 50 Kopeken.
Einigemale in seinen erinnerungen beschreibt Makonovetzky es wie eine Legende, daß die Kapelle von Pedozer auf der Hochzeit in Radomischl bei dem Fabrikanten Gorenstein (einem Zukerfabriksmagnaten) "3000 Rubel verdient haben".
Weniger als 5 Musiker haben nie gespielt auf den Hochzeiten.
Auch war es nicht möglich für die Kapellen extra ein Badchen (Hochzeitsführer, Possenreisser) zu haben und seine Rolle übernahmen abwechselnd verschiedene Musiker.
Die harte Konkurrenz zwischen den Kapellen (besonders in den Sthetln wo zwei oder mehr Kapellen existieren mußten), brachten Vereinbarungen mit sich, daß eine ortsfremde Gruppe der Heimatkapelle Tribut zahlen mußte, nicht selten kam es zu Raufereien.
Von den Eltern der Braut, die die Hochzeit bestellten, bekamen die Klezmorim nicht große Summen Geldes und die Haupteinnahmequelle waren die Bezahlungen der Gäste für die Tänze, Vivate und Tusche.
Vor dem Tanz gaben die Tänzer dem ersten Geiger das Geld, das er in den geigenkasten legte, oder in einen Krug, und nach der Hochzeit verteilte.
Die üblichen Preise für die Tänze in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren:
Polka und Walzer- 5 Kopeken,
Mazurka- 10 Kopeken,
Quadrille- 20 Kopeken,
Lancier- 25 Kopeken.

Wenn ein Musiker durch Krankheit verhindert war mitzuspielen, wurde ihm sein Anteil trotzdem ausbezahlt.

Wenn der Klezmer aus altersgründen nicht mehr spielen konnte, bekam er seinen ganzen Anteil weiter.
Wenn die musik sein Nebenberuf gewesen war, bekam er den halben Teil.
Wenn der Klezmer gestorben ist, erhielt seine Witwe, wenn sie alt war und ohne Kinder, lebenslang den ganzen Anteil ihres Mannes von der Kapelle.
Wenn die Witwe Kinder hatte, bekam sie den halben Anteil.
Bei Konflikten innerhalb der Gruppen kamen die Klezmorim aus der Umgebung zu einem Rat zusammen und haben die Unstimmigkeiten geregelt.
Aus den Worten Makonovetsky´s ist zu entnehmen, daß die Klezmorim fremde Hilfe für ihre Kapellenmitglieder nicht zuliessen und selbst die Fürsorge übernahmen.
Die Einnahmen der Kapellen waren aber zu gering am all diesen sozialen Aufgaben nachzukommen und so suchten die Klezmorim nach Einnahmequellen durch Musikunterricht.
Gewöhnlich lehrten sie alle Instrumente, ausser Klavier, Kindern aus gutbürgerlichen, wohlhabenden Häusern, Gutsbesitzerfamilien.
Zu den jüdischen hohen Feiertagen, an welchen es nicht erlaubt war musik zu spielen, zogen die Klezmorim in die umliegenden Dörfer um bei den Christen zu spielen.