| Aus
verschiedenen Quellen haben wir erfahren, daß in den Städten,
wo jüdische Gemeinden waren, immer auch Klezmerkapellen existierten.
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| Eine
jüdische Hochzeit ohne Klezmermusik ist nicht vorzustellen; und das
ist nicht nur typisch für das 19. Jhdt. |
| In
den erinnerungen von Rabbi Mintz, Ende des 15., Anfang des 16. Jhdt., wird
eine jüdische Hochzeit in Bamberg und Posman in Polen beschrieben und
in diesem Ritual spielt die Musik eine wichtige Rolle. (M. Gideman, Jüdische
Kultur- Geschichte im Mittelalter, Berlin, 1922) |
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| Aber
nicht nur in friedlichen Zeiten, auch in den Jahren der Pogrome und Exile,
erklang auf den jüdischen Hochzeiten Musik. |
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| In
einer jüdischen Gemeinde in Litauen steht in einem Protokoll: |
| "Wir
sind in Trauer, infolge der Leiden die unsere jüdische Gemeinde erreicht
hat. In keinem jüdischen Haus muß Musik erklingen; kein musikalisches
Instrument für die Bräutigam und die Braut bis zur Pessach Feier
1651. Ausgenommen die Rituale: zu der Chupe
und Badekn die Kale. Anschließend ist
die Musik wieder verboten." |
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| Es
ist bekannt, daß in Deutschland, wenn die Hochzeit, zum Beispiel wegen
Trauer in der Fürstenfamilie, nicht stattfinden konnte; in einen anderen
Ort verlegt wurde, damit Musik gespielt werden konnte. |
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| Im
16. Jhdt. haben Klezmorim in Polen einen starken Konkurrenzkampf mit Musikern
nichtjüdischer Abstammung geführt. |
| Die
polnischen Musiker haben die Zünfte begründet. |
| Jüdische
Musikanten konnten dort nicht aufgenommen werden, denn es war nicht nur
berufliches Interesse, sondern auch religiöse Zugehörigkeit von
Belang. |
| Der
Kampf wurde begonnen, um den jüdischen Musikern das Musizieren bei
den Christen zu verbieten. |
| 1549
bekamen die polnischen Zünfte diese Königsprivilegien. |
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| In
den jüdischen Gemeinden war aber für die Musiker nicht genug Arbeit
und sie konnten sich nicht ernähren. |
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| Genauso
wie den jüdischen Musikern aber verboten war bei Christen zu spielen,
war es den christlichen Musikern untersagt bei jüdischen Hochzeiten
zu spielen. |
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| Wer
diese Anordnung übertrat mußte beim erstenmal 3 Pfund Wachs in
die Zunft einbringen. |
| Beim
zweitenmal, wurde er als amoralisches Mitglied
ausgeschloßen. |
| Es
ist aber nicht sicher, daß alle Zünfte dieses Verbot auch wircklich
einhielten. |
| Bekannt
ist, daß in Krakau, in Polen, die Juden für die Christen aufspielten. |
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| 1582
erhielten die Zünfte neue Königsprivilegien, die besagten, daß
allen Musikern, die nicht Zunftmitglieder waren -und das waren jüdische
und italienische Musiker- es untersagt war bei Christen zu spielen. |
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| In
Lemberg, zeigt ein Dokument von 1629, daß jüdische Klezmer und
christliche Zünfte eine Vereinbarung getroffen haben, wonach jüdische
Musiker bei Hochzeiten und Banketten von Christen spielen durften und christliche
Musiker bei Juden am Shabbat und anderen Feiertagen spielen durften. |
| Diese
Vereinbarung besagt auch daß die Klezmerzunft 10 polnische Zloten
der christlichen Zunft zahlen muß, und für das Magistrat 2 polnische
Zloten. |
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| Die
Klezmer Zunft in Lemberg hatte 13 Mitglieder. |
| Einige
von ihnen hatten andere Brotberufe: Zum Beispiel: Hutnäher, Schmuckler. |
| Jüdische
Zunft- Klezmer spielten: Geige, Laute, Zimbel, Baß, Tamburin. |
| In
der Klezmerzunft waren nur die Orchestermusiker. |
| Außerhalb
der Zunft waren Solisten mit: Zither und Harfe, die Musiker Isaak und Josef. |
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| Der
Musikwissenschafter Paul Nettl publizierte eine Reihe von Dokumenten, die
die Lage der Klezmerkapellen in der 2. Hälfte des 17. Jhdts. in Prag,
beschrieben. |
| Auch
dort waren die jüdischen Musiker nicht in die Zunft der Musikanten
aufgenommen. |
| Ihnen
war es nur erlaubt bei den Juden zu spielen. |
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| 1641
haben sie das Recht bekommen auch auf nichtjüdischen Hochzeiten und
Feiern zu spielen, denn die Bevölkerung hat sie gerne eingeladen. |
| Hier
wiederum erhoben die christlichen Musiker Klage beim Magistrat, gegen die
Klezmorim. |
| In
den Beschwerden war geschrieben, daß die Klezmer sehr schlecht spielen,
keinen Takt halten können und "die edle Musik verderben". |
| Die
Klezmer wandten gegen diese beschwerden ein: Sie würden Hungers sterben,
wenn sie keine Arbeit annehmen dürfen ausserhalb der jüdischen
Gemeinde. |
| Es
könnte den Anschein haben, die Klezmer haben wirklich schlecht gespielt.
Dies aber ensprach nicht den Tatsachen; denn in Bremen zum Beispiel, sprachen
die Musikanten schlecht von allen ihren Konkurrenten. |
| Sie
behaupteten, die Musiker dieser schönen Stadt würden "vertrieben
von den schlechten Lyrikern". |
| Die
Klezmer bewiesen, daß ihre gottseligen Väter! schon Bürger
von Bremen waren und Geige und Viola gespielt haben. |
| Wenn
sie kein Recht bekämen am Sonntag zur Hochzeit aufzuspielen, würden
sie mit ihrem Familien Hungers sterben. (Arnheim, Aus dem Bremener Musikleben
des 17. Jhdts.) |
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| Sehr
wenige Informationen gibt es von Klezmern in Weissrussland. In Dokumenten
von 1794 und 1795 erfahren wir, daß im Sthetl Smilowic 53 jüdische
Familien waren: 111 Männer und 181 Frauen. Dort waren zwei Klezmer. |
| Es
waren 82 Männer und 133 Frauen und ein Klezmer im Sthetl Pogost. |
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| In
einer Information von 1811 im Sthetl Pragin finden wir 259 Juden und von
ihnen zwei Klezmer. |
| Im
Sthetl Klezk waren 662 Juden und drei Klezmer. |
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| In
der Stadt Minsk ist in den Protokolle der jüdischen Gemeinde kein Klezmer
genannt. |
| Aber
1797 - 1805 treffen einigemale spezielle Bescheide ein, daß es einigen
Musikern erlaubt ist, in Minsk zu wohnen und
auf den Hochzeiten zu spielen, aber es ist verboten
zu Chanuka mit musikalischen Gratulationen in die Häuser zu gehen. |
| Von
einer Besetzung ist nichts geschrieben, aber aus dem Protokoll von 1803
ist zu schließen, daß in Minsk mehr als eine Kapelle existierte,
denn es wird gesagt, daß Moische Ben Simon die Erlaubnis bekommt,
Badchen zu sein und einen helfer bekommt, einen
gewissen Mendel. |
| In
diesem Dokument ist auch geschrieben, daß es diesen Leuten verboten
ist, eine andere Klezmerkapelle zu "empfehlen". |
| Daraus
ist zu schließen, daß in einem solchen Städtchen, Klezmer
nicht zufällige, sondern typische Erscheinungen
waren. |
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| Die
Lage von jüdischen Klezmern in Russland im 19. Jhdt. |
| war
eine ganz andere als in Polen, Tschechien und Deutschland. |
| Sie
hatten keine Konkurrenten im Sthetl und auch die professionell schwachen
jüdischen Musikanten- Amateuren mußten zu den Festen und Feiern
bei den Nichtjuden spielen. |
| Zum
Beispiel schreibt der Schriftsteller Bagrov in seinem autobiographischen
Werk "Notizen zu den Juden", 40. Jahr des vorigen Jhdts., "Es
waren in der Stadt drei jüdische Amateure, die teilweise Violine, Flöte
und Cello spielten. Der Bürgermeister hat sie gezwungen bei ihm zu
spielen, da es keine anderen Musiker in der Stadt gab." |
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| Anfang
des 19. Jhdts. waren die professionellen jüdischen Musiker nicht so
zahlreich, aber in der zweiten Hälfte sind die Musikgruppen sehr gewachsen,
da sie sich frei organisieren konnten und die Kagal Organisation der Jüdischen
Gemeinde teilweise ihre administrative Rechte verlor. |
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| Im
19. Jhdt. wuchs die jüdische Bevölkerung in verschiedenen Sthetln,
neue Kapellen entstanden wo vorher keine gewesen waren. |
| Wo
eine Kapelle existierte, entstanden zwei. |
| Die
begrenzte Zahl von Berufen, die für Juden im zaristischen Russland,
nicht verboten waren, zwangen viele Leute die musikalisch begabt waren in
den Musikerberuf als Haupt- oder Nebenbeschäftigung. |
| Zu
Ende des 19. Jhdts. waren in Russland über 3000 jüdische Musiker.
Nur in der Ukraine bis 2000. |
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| Eine
sehr interessante Information über eine Kapelle im Sthetl Habno bei
Kiew, hat Beregowsky von dem Musiker Abraham Jehoshua Makonovetzky erhalten. |
| Diese
Kapelle spielte nicht nur in Habno sondern in einem Umkreis von 40- 50 km.,
wo es keine Klezmerkapellen gab. |
| Sie
spielten nicht nur auf den jüdischen Hochzeiten, sondern auch auf ukrainischen,
tschechischen, deutschen, polnischen Bauernfesten und polnischen Gutbesitzern. |
| Bei
den Bauernfesten wurden die selben Tänze wie bei den jüdischen
Festen gespielt, jedoch bei den Gutbesitzern wurde Salonmusik gegeben. |
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| Die
Arbeit in den kapellen gab den Musikern aber, wie schon erwähnt, nicht
genug Verdienst - besonders in so kleinen Stheteln wie Habno. |
| Und
Makonovetzky beschreibt wie die Honorare unter den Musikern verteilt wurde: |
| Jeder
Musiker erhielt einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen. |
| Zum
Beispiel, 1. Geige erhielt mehr als die anderen und am wenigsten der Trommler. |
| In
Polesie war folgende Verteilung: |
| 1.
Geiger- 22,5 Kopeken, |
| 2.
Geiger- 15 Kopeken, |
| Klarinettist
17 Kopeken |
| und
so weiter bis zum Trommler- er bekam 7,5 Kopeken. |
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| In
der Ukraine war es anders: |
| Dort
erhielt der 1. Geiger- 1 Rubel 50 Kopeken, |
| der
2. geiger- 1 Rubel 10 Kopeken, |
| der
Trommler- 50 Kopeken. |
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| Einigemale
in seinen erinnerungen beschreibt Makonovetzky es wie eine Legende, daß
die Kapelle von Pedozer auf der Hochzeit in Radomischl bei dem Fabrikanten
Gorenstein (einem Zukerfabriksmagnaten) "3000 Rubel verdient haben".
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| Weniger
als 5 Musiker haben nie gespielt auf den Hochzeiten. |
| Auch
war es nicht möglich für die Kapellen extra ein Badchen (Hochzeitsführer,
Possenreisser) zu haben und seine Rolle übernahmen abwechselnd verschiedene
Musiker. |
| Die
harte Konkurrenz zwischen den Kapellen (besonders in den Sthetln wo zwei
oder mehr Kapellen existieren mußten), brachten Vereinbarungen mit
sich, daß eine ortsfremde Gruppe der Heimatkapelle Tribut
zahlen mußte, nicht selten kam es zu Raufereien. |
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| Von
den Eltern der Braut, die die Hochzeit bestellten, bekamen die Klezmorim
nicht große Summen Geldes und die Haupteinnahmequelle waren die Bezahlungen
der Gäste für die Tänze, Vivate und Tusche. |
| Vor
dem Tanz gaben die Tänzer dem ersten Geiger das Geld, das er in den
geigenkasten legte, oder in einen Krug, und nach der Hochzeit verteilte. |
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| Die
üblichen Preise für die Tänze in den 70er Jahren des vorigen
Jahrhunderts waren: |
| Polka
und Walzer- 5 Kopeken, |
| Mazurka-
10 Kopeken, |
| Quadrille-
20 Kopeken, |
| Lancier-
25 Kopeken. |
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Wenn
ein Musiker durch Krankheit verhindert war mitzuspielen, wurde ihm sein
Anteil trotzdem ausbezahlt.
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| Wenn
der Klezmer aus altersgründen nicht mehr spielen konnte, bekam er seinen
ganzen Anteil weiter. |
| Wenn
die musik sein Nebenberuf gewesen war, bekam er den halben Teil. |
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| Wenn
der Klezmer gestorben ist, erhielt seine Witwe, wenn sie alt war und ohne
Kinder, lebenslang den ganzen Anteil ihres
Mannes von der Kapelle. |
| Wenn
die Witwe Kinder hatte, bekam sie den halben Anteil. |
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| Bei
Konflikten innerhalb der Gruppen kamen die Klezmorim aus der Umgebung zu
einem Rat zusammen und haben die Unstimmigkeiten geregelt. |
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| Aus
den Worten Makonovetsky´s ist zu entnehmen, daß die Klezmorim
fremde Hilfe für ihre Kapellenmitglieder nicht zuliessen und selbst
die Fürsorge übernahmen. |
| Die
Einnahmen der Kapellen waren aber zu gering am all diesen sozialen Aufgaben
nachzukommen und so suchten die Klezmorim nach Einnahmequellen durch Musikunterricht. |
| Gewöhnlich
lehrten sie alle Instrumente, ausser Klavier, Kindern aus gutbürgerlichen,
wohlhabenden Häusern, Gutsbesitzerfamilien. |
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| Zu
den jüdischen hohen Feiertagen, an welchen es nicht erlaubt war musik
zu spielen, zogen die Klezmorim in die umliegenden Dörfer um bei den
Christen zu spielen. |