| Das
Wort Klezmer ist jetzt in unserer Zeit wiederbelebt
worden. |
| Es
bedeutet Einheit von Instrument und Spieler, hergeleitet aus dem Hebräischem
Kli (Instrument) und
Semer (Sänger). |
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| Früher,
Anfang des Jahrhunderts war das noch Schimpfwort, wie sich zum Beispiel
Howie Leess, einer der ältesten Klezmerspieler in Amerika, erinnert: |
| "...den
es war verpönt mit jüdischem Klang
zu spielen". |
| Es
hatte den Anstrich, des nichtprofessionellen Spielens. |
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| In
unserer Zeit verstehen wir unter Klezmermusik,
jüdische Musik aus dem osteuropäischem Raum: |
| Polen,
Gallizien, Bukovina, Transilvanien, Moldawien, West- Süd- Ukraine,
Weissrussland, Litauen. |
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| Die
jüdische Geschichte
und und wie die Juden in diese Gebiete gekommen sind: |
| "Sklaven
in Agypten, Gefangene in Babylonien. Aufstand gegen die syrischen Griechen.
Von den Römern als Sklaven nach Europa verschleppt. Als Sklaven nach
Spanien verkauft. In alle Welt zerstreut. In ewigem Kampf hartnäckig
die Eigenart bewahrend, vor allem um die Ausübung der eigenen Religion
kämpfend- |
| Viertausend
Jahre Leidensgeschichte des jüdischen Volkes". (Hai Frankl, Jüdische
Lieder, Fischer Taschenbuch.) |
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| Moses
Beregowski (aus der Ukraine), einer der bedeutendsten Musikwissenschafter
und Sammler auf dem Gebiet der jüdischen Volksmusik beschäftigte
sich seit 1927 mit Klezmermusikforschung. |
| Er
sammelte verschiedene Werke, die Klezmer in seiner Umgebung spielten, und
Informationen über Klezmer und Klezmermusik. |
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| 1937
brachte er seine erste Broschüre über Klezmermusik heraus. |
| 1938
hatte seine Sammlung schon 700 Musikstücke von Klezmermusik aus der
Ukraine umfasst. |
| In
seinen ersten Buch befindet sich eine uswahl von 258 dieser Werke. |
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| Seine
wichtigsten Informanten waren der Klezmer: |
| A.
E. Makonowetzky, G. Barkagan, G. Gerschfeld und andere. |
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| Drei
Nummern dieser Sammlung schrieb J. S. Magaziner, Professor am Kiewer Konservatorium.
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| Die
21. Nummer kommt aus einer Niederschrift eines Geigenamateures B. Sachnovsky.
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| Viele
der Werke stammen von unbekannten Klezmern. |
| Die
Klezmorim waren Schöpfer von unzähligen Tänzen und Konzertstücken.
Man kann Klezmermusik sozusagen eine Volksschöpfung nennen. |
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| Zwei
Genres von jüdischer Volksmusik - instrumentale und vokale- haben tiefe
Verbindungen zueinander, denn eines hat auf das andere gewirkt und seine
Einflüsse geltend gemacht. |
| Dennoch
sind es ganz verschiedene musikalische Gebiete, denn die musikalischen Mittel
sind ganz unterschiedliche bei einem Sänger und einer kleinen Kapelle.
Die Kapelle hat viele technische (instrumentale)
Möglichkeiten, der Sänger nur seine
Stimme. |
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| Der
Klezmerberuf war durch viele Jahrhunderte kultiviert. |
| In
den Gebieten wo sich jüdischen Gemeinden befanden, gab es die Zünfte
der Klezmorim. |
| Bis
ins 19. Jahrhundert hatten diese Zünfte ganz eigene Besonderheiten: |
| Der
Beruf des Klezmorim wurde über die Generationen vererbt. Diese Vererbung
nannte man Hasoke (Tradition). |
| Auch
entwickelte sich eine eigene Berufssprache, die bei den Musikern verbreitet
war- eine Argo-Sprache, Musikantenjargon. |
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| Scholem
Alejchem schreibt in seinem Roman Stempenju: |
| "Stempenju,
das ist eine Art Beiname, den er von seinem Vater geerbt hat. Sein Vater,
Friede sei mit ihm!, war Musikant, hat Berl Baß geheißen, oder
Berl Stempenir, von Stempeni, einem Dorf in der Gegend von Masepewka, spielte
auf dem Baß und war ein guter Hochzeitpossenreisser, ein tüchtiger
Reimeschmied, ein wüster Spaßvogel." |
| Stempenju
war der Name des berühmten Geigers Jossele Drucker aus Beditschew (1822-
1879). Sein Vater war Shalom Drucker (1798- 1876), spielte Klarinette und
konnte die Noten lesen. Bei einer Geiger aus Kiew, erhielt Jossele in seiner
Jugend, für kurze Zeit Geigenunterricht.
Seit seiner Kindheit spielte er im Orchester seines Vaters. Nach dessen
Tod leitete er das Orchester nur weitere drei Jahre. Nach dem Tod von Stempenju
übernahm sein Schwiegersohn Wolf Tschernavsky (1841- 1930) die Gruppe. |
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| A.
M. Holodenko, ein weiterer sehr berühmter Klezmer, sein
Künstlername war Pedozer, leitete die Klezmerkapelle in Bertitschew
und war sehr popular weit über die Grenzen seines Städtchens und
in weiten Gebieten der Ukraine. |
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| Der
berühmte chassidische Rabbi, Reb Levi Izchak von Bertitschew, verfasste
viele Lieder. |
| In
der Klezmermusik finden wir sehr enge Verbindungen zwischen individueller
Schöpfung und Volkstradition. |
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| In
diesem Beruf entwickelten sich eigene besondere Kanons
und Traditionen. |
| Die
hunderten Werke aus dem Klezmerrepertoire, Frejlachs, Sher, Zhok, Gass-
Nigunim, und andere, zeigen keine typischen Züge der schöpferischen
Individualität ihrer Autoren. Es wirkt eher wie verschmolzen und eingewachsen
in kanonisierte Formen des volkstümlichen traditionellen Musikdenkens. |
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| In
unserer Zeit ist es schwer zu sagen welcher Musiker diesen oder jenen Stil
gehabt hat, vor allem bei den kleinen Musikstücken. Die Klezmorim spielten
nach Gehör und übernahmen die Stücke einer vom anderen. Für
ihre Schüler schrieben sie die Werke teilweise auf. Wir haben viele
Informationen, daß Kapellen von verschiedenen kleinen Shteteln die
Manuskripte und Notenschriften von Klezmern aus größeren Städten
bekamen. |
| Zwischen
den Tänzen wurden immer wieder auch Stücke nur
zum Hören gespielt. Solche Stücke werden nach Noten
gespielt und wuchsen mit verschiedenen Elementen und Verzierungen zusammen.
Darin sind die verschiedene Varianten eines Stückes zu erkennen, aufgeschrieben
von verschiedenen Klezmern. Wieviele Klezmer dieses Stück spielten,
soviele Varianten gab es auch. |
| Ähnliches
ist in Volksliedern zu beiobachten. Und dieses gilt nicht nur kleine Stücke,
sondern auch für umfangreichere Werke wie "Kale bezecn".
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| Es
ist interessant daß zum Beispiel Beregovsky in seiner Feldforschung
bei der Begegnung mit vielen Klezmorim keine kleinen Musikstücke fand,
und bei dem Geigenamateuren Sachnovsky sich wiederum viele Hefte mit kleinen
Musikstücken und Miniaturen fanden. |
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| Verschiedene
Werke von Pedozer waren sehr populär im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
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| Zum
Beispiel:"Luli" (Wiegenlied), "Zum Tisch", und andere.
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| Wenn
wir auch die Autoren von verschiedenen Werken ganz genau nennen können,
so wurden die werke im Spielprozess doch von den verschiedenen Interpreten
bearbeitet und nahmen den Weg einer Volksweise, in der der Interpret auch
zum Co- Autor werden konnte. |
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| Ein
wichtiger Moment, charakteristisch für die gesamte jüdische Folklore
und Klezmerrepertoire: |
| Bei
aller nationaler Eigenart war ihr jedwede nationalistische Beschränkung
fremd. Das Volk adaptiert auch solche musikalische Werke, die aus entfernteren
Ethnien stammen. Diese Offenheit bringt Untershiedlichkeit und lebendige
Ausdrucksmittel von anderen Volksmusiken mit ein. Der jüdische Volksmusiker
bringt absichtlich neue, andere Melodien in sein Repertoire ein. |
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| Die
jüdische instrumentale Musik war vorwiegend auf Hochzeiten gespielt
aber auch zur Bar Mitzwa, zum Purim- Spiel. Die Hochzeitsmusik war aufgeteilt
in die Tanzmusik und in die Musik "nur zum Hören": |
| Begrüßungsmärsche,
Vivat für die Gäste, "Bazecn die Kale", "Tischmusik",
Gass- Nigunim, Abschied für die Gäste, und andere. |
| Bei
dem Tanzrepertoire wäre besonders zu bemerken: |
| Hier
gab es keine nationale Beschränkung. Auch mit spezifisch jüdischen
Tänzen wie Sher, Frejlachs und Barojges- Tanz, wurden auch allgemeine
populäre Tänze der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: |
| Polka,
Quadrille, Lancier, Kazatschok, Walzer, Polonaise. |
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| Auch
vor dem 19. Jahrhundert waren europäische Tänze bei den Juden
populär. Auch andere nationale Stücke finden wir im Tanzrepertoire
der Klezmer sowie im Repertoire "nur zum Zuhören". |
| Zum
Beispiel: Zhok. |
| Klezmer
in der Ukraine spielten ihn als Gass- Nign, seltener als Tanz. |
| Mit
der Zeit wurde der rumänische Zhok so populär, daß die Werke
mit solchem Titel von Klezmorim komponiert wurden und so die stilistische
Eigenart des Zhok verlorenging. |
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| Einige
Musikstücke und Tänze bekamen ukrainische oder weissrussische,
polnische und andere Titel, zum Beispiel "Drobriden" oder "Dobranoc". |
| Es
ist aber nicht zu beweisen, daß solche werke aus ukrainischen oder
weissrussischen Volksweisen stammen. |
| Auch
haben wir verschiedene Musikstücke mit dem Titel "Skocna",
die nicht unterschiedlich von Frejlachs sind und es ist bekannt, daß
solche Tänze im deutschsprachigen Raum "Springtanz" genannt
wurden. |
| In
dem Manuskript von Eisik Walich (16. Jh.) kann man beweisen, daß dieser
Springtanz oder Umgehender Tanz von den Deutschen
übernommen wurde. |
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| So
genannte Tänze gibt es auch im Tschechischen, Polnischen, Ukrainischen. |
| In
dem Buch "Memoiren meiner Großmutter" beschreibt Paulina
Wengerova die Hochzeit ihrer Schwester, die 1848 in Brest- Litowsk stattgefunden
hat: |
| "Der
Vater und Ehrengäste erfreuten sich am Solotanz Kazatschok, den verschiedenen
Figuren und graziösen Bewegungen. Auf diesen Tanz folgte ein Galopp
in sehr schnellem Tempo, der zu zweit getanzt wurde, rundum im Saal, in
jeder Ecke wurde haltgemacht. Anschließend wurde der lustige Tanz
Bejgele getanzt- eine Art Reigentanz und nachher ein Chussidl, der mit munterer
Musik begleitet war, mit Fanfaren und Tamburin und zum Schluß wurde
der Kontradanc getanzt." |
| Diese
Zitate spiegeln das Tanzrepertoire einer reichen Hochzeit. Auf allen Hochzeiten
aber wurde gerne und viel getanzt. |
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| Ganz
unterschiedliche Erscheinungen sind hier anzutreffen, ein Tanz hat zum Beispiel
einen ganz jüdischen Titel , die Melodie ist aber adaptiert: So zum
Beispiel die musikalische Begleitung des Tanzes der Braut mit ihrem Vater,
mit dem Vater von Bräutigam, auch mit den anderen Ehrengästen,
war gespielt als "Koscher Tanz", und das war
die Polonaise. |
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| Von
den 40er Jahren des vorigen Jahrrhunderts bis in unsere Zeit, haben fast
alle Klezmerkapellen in der Ukraine in ähnlichen Fällen als "Koscher
Tanz" die Oginsky- Polonaise gespielt. |
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| Im
Klezmerrepertoire treffen wir eine reihe von ukrainischen Volksliedern,
die für Soloinstrumente bearbeitet waren, des öfteren für
Violine. |
| Sehr
populär waren Variationen für Violine auf das ukrainische Volkslied
"Ist ein Kosak nach Dunaj gefahren", Phantasie von Holodenko,
Pedozer. |
| Und
unter dem Titel "Tschumak", das Thema eines ukrainischen Volksliedes.
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