Die Klezmermusik

 
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von isaak loberan
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start: 24 march 2002, up-date: 4 june 2006
Das Wort Klezmer ist jetzt in unserer Zeit wiederbelebt worden.
Es bedeutet Einheit von Instrument und Spieler, hergeleitet aus dem Hebräischem Kli (Instrument) und Semer (Sänger).
Früher, Anfang des Jahrhunderts war das noch Schimpfwort, wie sich zum Beispiel Howie Leess, einer der ältesten Klezmerspieler in Amerika, erinnert:
"...den es war verpönt mit jüdischem Klang zu spielen".
Es hatte den Anstrich, des nichtprofessionellen Spielens.
In unserer Zeit verstehen wir unter Klezmermusik, jüdische Musik aus dem osteuropäischem Raum:
Polen, Gallizien, Bukovina, Transilvanien, Moldawien, West- Süd- Ukraine, Weissrussland, Litauen.
Die jüdische Geschichte und und wie die Juden in diese Gebiete gekommen sind:
"Sklaven in Agypten, Gefangene in Babylonien. Aufstand gegen die syrischen Griechen. Von den Römern als Sklaven nach Europa verschleppt. Als Sklaven nach Spanien verkauft. In alle Welt zerstreut. In ewigem Kampf hartnäckig die Eigenart bewahrend, vor allem um die Ausübung der eigenen Religion kämpfend-
Viertausend Jahre Leidensgeschichte des jüdischen Volkes". (Hai Frankl, Jüdische Lieder, Fischer Taschenbuch.)
Moses Beregowski (aus der Ukraine), einer der bedeutendsten Musikwissenschafter und Sammler auf dem Gebiet der jüdischen Volksmusik beschäftigte sich seit 1927 mit Klezmermusikforschung.
Er sammelte verschiedene Werke, die Klezmer in seiner Umgebung spielten, und Informationen über Klezmer und Klezmermusik.
1937 brachte er seine erste Broschüre über Klezmermusik heraus.
1938 hatte seine Sammlung schon 700 Musikstücke von Klezmermusik aus der Ukraine umfasst.
In seinen ersten Buch befindet sich eine uswahl von 258 dieser Werke.
Seine wichtigsten Informanten waren der Klezmer:
A. E. Makonowetzky, G. Barkagan, G. Gerschfeld und andere.
Drei Nummern dieser Sammlung schrieb J. S. Magaziner, Professor am Kiewer Konservatorium.
Die 21. Nummer kommt aus einer Niederschrift eines Geigenamateures B. Sachnovsky.
Viele der Werke stammen von unbekannten Klezmern.
Die Klezmorim waren Schöpfer von unzähligen Tänzen und Konzertstücken. Man kann Klezmermusik sozusagen eine Volksschöpfung nennen.
Zwei Genres von jüdischer Volksmusik - instrumentale und vokale- haben tiefe Verbindungen zueinander, denn eines hat auf das andere gewirkt und seine Einflüsse geltend gemacht.
Dennoch sind es ganz verschiedene musikalische Gebiete, denn die musikalischen Mittel sind ganz unterschiedliche bei einem Sänger und einer kleinen Kapelle. Die Kapelle hat viele technische (instrumentale) Möglichkeiten, der Sänger nur seine Stimme.
Der Klezmerberuf war durch viele Jahrhunderte kultiviert.
In den Gebieten wo sich jüdischen Gemeinden befanden, gab es die Zünfte der Klezmorim.
Bis ins 19. Jahrhundert hatten diese Zünfte ganz eigene Besonderheiten:
Der Beruf des Klezmorim wurde über die Generationen vererbt. Diese Vererbung nannte man Hasoke (Tradition).
Auch entwickelte sich eine eigene Berufssprache, die bei den Musikern verbreitet war- eine Argo-Sprache, Musikantenjargon.
Scholem Alejchem schreibt in seinem Roman Stempenju:
"Stempenju, das ist eine Art Beiname, den er von seinem Vater geerbt hat. Sein Vater, Friede sei mit ihm!, war Musikant, hat Berl Baß geheißen, oder Berl Stempenir, von Stempeni, einem Dorf in der Gegend von Masepewka, spielte auf dem Baß und war ein guter Hochzeitpossenreisser, ein tüchtiger Reimeschmied, ein wüster Spaßvogel."
Stempenju war der Name des berühmten Geigers Jossele Drucker aus Beditschew (1822- 1879). Sein Vater war Shalom Drucker (1798- 1876), spielte Klarinette und konnte die Noten lesen. Bei einer Geiger aus Kiew, erhielt Jossele in seiner Jugend, für kurze Zeit Geigenunterricht. Seit seiner Kindheit spielte er im Orchester seines Vaters. Nach dessen Tod leitete er das Orchester nur weitere drei Jahre. Nach dem Tod von Stempenju übernahm sein Schwiegersohn Wolf Tschernavsky (1841- 1930) die Gruppe.
A. M. Holodenko, ein weiterer sehr berühmter Klezmer, sein Künstlername war Pedozer, leitete die Klezmerkapelle in Bertitschew und war sehr popular weit über die Grenzen seines Städtchens und in weiten Gebieten der Ukraine.
Der berühmte chassidische Rabbi, Reb Levi Izchak von Bertitschew, verfasste viele Lieder.
In der Klezmermusik finden wir sehr enge Verbindungen zwischen individueller Schöpfung und Volkstradition.
In diesem Beruf entwickelten sich eigene besondere Kanons und Traditionen.
Die hunderten Werke aus dem Klezmerrepertoire, Frejlachs, Sher, Zhok, Gass- Nigunim, und andere, zeigen keine typischen Züge der schöpferischen Individualität ihrer Autoren. Es wirkt eher wie verschmolzen und eingewachsen in kanonisierte Formen des volkstümlichen traditionellen Musikdenkens.
In unserer Zeit ist es schwer zu sagen welcher Musiker diesen oder jenen Stil gehabt hat, vor allem bei den kleinen Musikstücken. Die Klezmorim spielten nach Gehör und übernahmen die Stücke einer vom anderen. Für ihre Schüler schrieben sie die Werke teilweise auf. Wir haben viele Informationen, daß Kapellen von verschiedenen kleinen Shteteln die Manuskripte und Notenschriften von Klezmern aus größeren Städten bekamen.
Zwischen den Tänzen wurden immer wieder auch Stücke nur zum Hören gespielt. Solche Stücke werden nach Noten gespielt und wuchsen mit verschiedenen Elementen und Verzierungen zusammen. Darin sind die verschiedene Varianten eines Stückes zu erkennen, aufgeschrieben von verschiedenen Klezmern. Wieviele Klezmer dieses Stück spielten, soviele Varianten gab es auch.
Ähnliches ist in Volksliedern zu beiobachten. Und dieses gilt nicht nur kleine Stücke, sondern auch für umfangreichere Werke wie "Kale bezecn".
Es ist interessant daß zum Beispiel Beregovsky in seiner Feldforschung bei der Begegnung mit vielen Klezmorim keine kleinen Musikstücke fand, und bei dem Geigenamateuren Sachnovsky sich wiederum viele Hefte mit kleinen Musikstücken und Miniaturen fanden.
Verschiedene Werke von Pedozer waren sehr populär im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.
Zum Beispiel:"Luli" (Wiegenlied), "Zum Tisch", und andere.
Wenn wir auch die Autoren von verschiedenen Werken ganz genau nennen können, so wurden die werke im Spielprozess doch von den verschiedenen Interpreten bearbeitet und nahmen den Weg einer Volksweise, in der der Interpret auch zum Co- Autor werden konnte.
Ein wichtiger Moment, charakteristisch für die gesamte jüdische Folklore und Klezmerrepertoire:
Bei aller nationaler Eigenart war ihr jedwede nationalistische Beschränkung fremd. Das Volk adaptiert auch solche musikalische Werke, die aus entfernteren Ethnien stammen. Diese Offenheit bringt Untershiedlichkeit und lebendige Ausdrucksmittel von anderen Volksmusiken mit ein. Der jüdische Volksmusiker bringt absichtlich neue, andere Melodien in sein Repertoire ein.
Die jüdische instrumentale Musik war vorwiegend auf Hochzeiten gespielt aber auch zur Bar Mitzwa, zum Purim- Spiel. Die Hochzeitsmusik war aufgeteilt in die Tanzmusik und in die Musik "nur zum Hören":
Begrüßungsmärsche, Vivat für die Gäste, "Bazecn die Kale", "Tischmusik", Gass- Nigunim, Abschied für die Gäste, und andere.
Bei dem Tanzrepertoire wäre besonders zu bemerken:
Hier gab es keine nationale Beschränkung. Auch mit spezifisch jüdischen Tänzen wie Sher, Frejlachs und Barojges- Tanz, wurden auch allgemeine populäre Tänze der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts:
Polka, Quadrille, Lancier, Kazatschok, Walzer, Polonaise.
Auch vor dem 19. Jahrhundert waren europäische Tänze bei den Juden populär. Auch andere nationale Stücke finden wir im Tanzrepertoire der Klezmer sowie im Repertoire "nur zum Zuhören".
Zum Beispiel: Zhok.
Klezmer in der Ukraine spielten ihn als Gass- Nign, seltener als Tanz.
Mit der Zeit wurde der rumänische Zhok so populär, daß die Werke mit solchem Titel von Klezmorim komponiert wurden und so die stilistische Eigenart des Zhok verlorenging.
Einige Musikstücke und Tänze bekamen ukrainische oder weissrussische, polnische und andere Titel, zum Beispiel "Drobriden" oder "Dobranoc".
Es ist aber nicht zu beweisen, daß solche werke aus ukrainischen oder weissrussischen Volksweisen stammen.
Auch haben wir verschiedene Musikstücke mit dem Titel "Skocna", die nicht unterschiedlich von Frejlachs sind und es ist bekannt, daß solche Tänze im deutschsprachigen Raum "Springtanz" genannt wurden.
In dem Manuskript von Eisik Walich (16. Jh.) kann man beweisen, daß dieser Springtanz oder Umgehender Tanz von den Deutschen übernommen wurde.
So genannte Tänze gibt es auch im Tschechischen, Polnischen, Ukrainischen.
In dem Buch "Memoiren meiner Großmutter" beschreibt Paulina Wengerova die Hochzeit ihrer Schwester, die 1848 in Brest- Litowsk stattgefunden hat:
"Der Vater und Ehrengäste erfreuten sich am Solotanz Kazatschok, den verschiedenen Figuren und graziösen Bewegungen. Auf diesen Tanz folgte ein Galopp in sehr schnellem Tempo, der zu zweit getanzt wurde, rundum im Saal, in jeder Ecke wurde haltgemacht. Anschließend wurde der lustige Tanz Bejgele getanzt- eine Art Reigentanz und nachher ein Chussidl, der mit munterer Musik begleitet war, mit Fanfaren und Tamburin und zum Schluß wurde der Kontradanc getanzt."
Diese Zitate spiegeln das Tanzrepertoire einer reichen Hochzeit. Auf allen Hochzeiten aber wurde gerne und viel getanzt.
Ganz unterschiedliche Erscheinungen sind hier anzutreffen, ein Tanz hat zum Beispiel einen ganz jüdischen Titel , die Melodie ist aber adaptiert: So zum Beispiel die musikalische Begleitung des Tanzes der Braut mit ihrem Vater, mit dem Vater von Bräutigam, auch mit den anderen Ehrengästen, war gespielt als "Koscher Tanz", und das war die Polonaise.
Von den 40er Jahren des vorigen Jahrrhunderts bis in unsere Zeit, haben fast alle Klezmerkapellen in der Ukraine in ähnlichen Fällen als "Koscher Tanz" die Oginsky- Polonaise gespielt.
Im Klezmerrepertoire treffen wir eine reihe von ukrainischen Volksliedern, die für Soloinstrumente bearbeitet waren, des öfteren für Violine.
Sehr populär waren Variationen für Violine auf das ukrainische Volkslied "Ist ein Kosak nach Dunaj gefahren", Phantasie von Holodenko, Pedozer.
Und unter dem Titel "Tschumak", das Thema eines ukrainischen Volksliedes.