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start:
04 octoberi 2005, up-date: 26 april 2006
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| Keiner
der im Folgenden zu behandelnden Autoren, die das 'usul vurmak' beschreiben,
überantwortet zwar jene "particularités" so explizit
dem Stillschweigen, doch auch ihre Darlegungen gelangen nicht über
den Punkt hinaus, an dem Rauf Yekta schließt; die 'Besonderheiten' bleiben, wie zu zeigen sein wird, unaufgelöster Rest. |
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| Dennoch ist es nicht unwichtig, jene Ausführungen zunächst genauer zu untersuchen. Ihnen gemein ist die Art der Darstellung. Diese orientiert sich an der musikalischen Praxis, an der "maniere de battre des rythmes turcs", am 'usul vurmak' - das heißt, an der klanglichen Realisation des Usul. Die bloße sprachlich beschreibende Wiedergabe indes der musikalischen Praxis, wie sie jene Autoren geben, das ist der musikpädagogischen Maßnahme, die auf das praktische Nachmachen bis zum Auswendigkönnen zielt 2), in unserem Falle also die Rezeption des Usul, vermag eine Definition des Sachverhaltes 'Usul' nicht zu leisten. Das praktisch Ausführbare gestattet stets eine exakte Reproduktion; es ist zur Tradition fähiger als seine begriffliche Abgrenzung. Und so unterscheiden sich die Darstellungen unserer Autoren kaum von jener Vermittlung der Sachverhalte, wie sie der Musikschüler durch seinen Meister erfahren haben mag. Sie waren gezwungen, das, was sprachlich nicht adäquat zu fassen war, durch Notation auszudrücken und umgekehrt, wodurch zuweilen Verwirrungen entstanden - namentlich aber bestimmte Momente überhaupt nicht deutlich in Erscheinung traten, aus der Darstellung sozusagen herausfielen, was dann die Folge sein mußte, wenn Notation Sprache und Sprache Notation zu ersetzen hatte, ohne daß die Aussagefähigkeit beider Systeme genügend feststand. | ||
| Um,
wie oben vermerkt, die Realisation des Usul verständlich zu machen,
beschreiben die Autoren die Tätigkeit des Musikers. Das rhythmische
Geschehen hörbar zu machen ist entweder möglich "...par un
claquement de doigt, le 'policis ictum' d'Horace (Od. IV, 6.), dont an retrouve également l'usage parmi les populations de l'Europe méridionale." 3), oder "...plus ordinairement par un frappé à plat de main sur les genoux." 4) - dies: " à défaut d'instruments de percussion". An Perkussionsinstrumenten benennt Thibaut: 'def', 'zil', 'mazhar' und 'kudüm'. 5) Auf welchen Instrumenten oder auf welch andere mögliche Weise die Usul realisiert werden, ist im Grunde gleichgültig. Das für das 'usul vurmak' verbindliche Instrument in der Musik der Mevlevi ist die Kudüm, die Kurt Reinhard so beschreibt: |
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| "Das kleine Paukenpaar besteht aus zwei mit Ziegenfellen bespannten Metallkesseln, die meist lose miteinander verbunden sind. Dieser Paukentyp ist im gesamten Vorderen Orient verbreitet. Als nakkare begegnet es in der Janitscharenmusik (mehter) und in arabischen Ländern, von wo er während der Kreuzzüge nach Europa gelangte, hier allerdings größere Ausmaße annahm. Fast überall ist die Pauke eng mit der Trompete verbunden, nur in der Mevlevi-Musik hat sie diese Funktion nicht. Dort gehört sie mit den Flöten zum Hauptrequisit des instrumentalen Ensembles. Die Felle werden durch einen Ring gehalten, der seinerseits durch um das Korpus gezogene Schnüre gespannt wird. So kann man den beiden kleinen Pauken eine ungefähre Stimmung geben, wobei die Tonhöhen um etwa eine auarte differieren. Der tiefere Ton, auf dem rechten Instrument eingestimmt, dient der Wiedergabe der Hauptschläge, während man mit der linken Hand die höher getönten Schläge des vorgeschriebenen Rhythmus ausführt. Beide Hände benutzen Schlägel (zahme)." 6) | ||
| Unsere eigenen Erläuterung-.,n im Text werden sich daher auf dieses Instrument beziehen; zugleich wird leicht und eindeutig sich jeder Schlag im Verlauf des 'usul vurmak' richtig auf der rechten oder linken Kudüm "Das kleine Paukenpaar besteht aus zwei mit Ziegenfellen bespannten Metallkesseln, die meist lose miteinander verbunden sind. Dieser Paukentyp ist im gesamten Vorderen Orient verbreitet. Als nakkare begegnet es in der Janitscharenmusik (mehter) und in arabischen Ländern, von wo er während der Kreuzzüge nach Europa gelangte, hier allerdings größere Ausmaße annahm. Fast überall ist die Pauke eng mit der Trompete verbunden, nur in der Mevlevi-Musik hat sie diese Funktion nicht. Dort gehört sie mit den Flöten zum Hauptrequisit des instrumentalen Ensembles. Die Felle werden durch einen Ring gehalten, der seinerseits durch um das Korpus gezogene Schnüre gespannt wird. So kann man den beiden kleinen Pauken eine ungefähre Stimmung geben, wobei die Tonhöhen um etwa eine auarte differieren. Der tiefere Ton, auf dem rechten Instrument eingestimmt, dient der Wiedergabe der Hauptschläge, während man mit der linken Hand die höher getönten Schläge des vorgeschriebenen Rhythmus ausführt. Beide Hände benutzen Schlägel (zahme)." 7) lokalisieren und namentlich aus dem Sprachgebrauch Thibaut's und Yektas, welche analog von "genou droit" und "genou gauche" sprechen, übersetzen lassen. | ||
| Vorwegnehmend ist allerdings nicht allein entscheidend, auf welcher der beiden Kudüm vermittels der 'zahme' 8) ein Schlag ertönt, welche Tonhöhe also erklingt, sondern ebenso, mit welcher Band sie hervorgebracht wird. Zwar gilt immer, daß die rechte Kudüm die tiefer gestimmte Pauke sein muß, welche, wie es heißt, die 'schweren Zählzeiten' empfängt, doch gibt es bestimmte Anweisungen, nach denen auch etwa die rechte Hand die linke Kudüm zu schlagen hat. | ||
| Schließlich steht ein Apparat von Bezeichnungen zur Verfügung, welche die eben angedeuteten Merkmale und andere als System in sich begreifen. Mit diesem 'System' werden alle beliebigen Usul erklärt beziehungsweise demonstriert. Die Bezeichnungen sind: | ||
| 'düm', 'tek', 'teke', 'teka' und 'tahek'; 9) | ||
| ihre Abkürzungen: | ||
| 'D', 'd' für 'düm'; 'T', 't' für alle übrigen; | ||
| 'tk' auch für 'teke' oder 'teka', wobei 't' und 'k' getrennt ein getrenntes 'te - ke' oder 'te - ka' bezeichnen. | ||
| Ein Sonderfall ist die Abkürzung 'dm' für 'düme'; ebenfalls mit der Trennung 'd - m' = 'dü - me'. | ||
| "Suivant
leur degré d'intensite et leur genre de mouvement, les thésis et les arsis sont caractérisées par des termes spéciaux empruntés à l'onomatopée instrumentale. Les Persans disent 'ten' 'téne' 'tén', pour simuler par ces consonances syllabiques la résonance du tambour et des instruments à cordes en général. Les Arabes et les Turcs par imitation du frappé des instruments de percussion et surtout des 'mazlar' (cymbales) disent: 'Doum', 'tek', 'tekké' 'tekkia', 'tahek'." 10) |
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| Wörtlich dasselbe schreibt Rauf Yekta 11) ; bei Thibaut heißt es in seiner Studie über "La musique des Mevlévis" : | ||
| "Le genou droit reçoit les temps forts nommés par onomatopée 'doum'; ..." 12) | ||
| und bei Kurt Reinhard lesen wir: | ||
| "On se sert pour mieux anprendre et pour se rappeler plus facilement des rythmes, d'onomatopées:..." 13) | ||
| Sicher geklärt scheint die Herkunft der Bezeichnungen nicht zu sein. Zwar legt die Bezeichnung 'düm' eine mögliche Ableitung von 'kudüm' oder einem anderen Wort 'dümbelek' 14) nahe; für die anderen Bezeichnungen lassen sich unterdessen 'vollständige' Worte mit eindeutig musikalischem Bezug nicht finden. Vergleicht man zum gleichen Gegenstand etwa eine Fußnote Kiesewetters: | ||
| "Schon früh liebten die arabischen Theoretiker ihre Kunstausdrücke von dem Pferde, dem beständigen und werthesten Gefährten, dem Schatz des Arabers, herzunehmen. (...) Diese Benennungen haben dann auch die berühmten persischen Lehrer beibehalten." 15) | ||
| mit den obigen Zitaten, so erhellt, daß die Ausdrücke keineswegs dem musikalischen Bereich entstammen müssen. Gleich, wo die ursprüngliche Abstammung zu suchen ist; als onomatopoetische Begriffe auf musikalische Sachverhalte angewendet, fallen ihnen bestimmte Funktionen zu, von denen hier bereits einige festzustellen sind. "Pour mieux apprendre et pour se rappeler plus facilement des rythmes", sind sie sowohl Lehr- und Lernmittel sowie Gedächtnisstütze im weitesten Sinne. Festzuhalten ist, daß die Bezeichnungen offensichtlich dazu ausgereicht haben, komplizierte rhythmische Vorgänge in ihrer Gestalt ala 'Usul' jahrhundertelang durch Gedächtnis und Weitergabe aus dem Gedächtnis tradierbar zu machen, ohne daß es dazu einer Notation bedurft hätte. | ||
| Sie sind zum anderen Angaben über den "degré d'intensité" und das "genre de mouvement" im rhythmischen Ablauf, meinen also das unterschiedliche Gewicht der rhythmischen Partikel. Das 'düm' steht bei Kurt Reinhard "...pour les percussions lourdes..." 16); bei Gültekin Oransay ist es gekennzeichnet als "dumpfer, dunkler Schlag beim Trommelspiel." 17) | ||
| Thibaut schreibt 1902: "Le genou droit reçoit les temps forts..." 18), 1906 lesen wir bei ihm, wie ebenso bei Rauf Yekta 1922 19): "Le 'doum' est proprement la thesis ou temps fort; ..." 20) | ||
| In der vom Städtischen Konservatorium zu Istanbul herausgegebenen Reihe der religiösen Musik, in der 1934 die Serie 'Mevlevi Ayinleri' 20a) eröffnet wird, finden sich in Heft 6 (1934) auf der Seite 301 Ausführungen zum Rhythmus, darunter detaillierte Spielanweisungen; letztere sind Angaben, die - im Gegensatz zu den vorgenannten Autoren - ausschließlich über die manuelle Ausführung Aufschluß geben. 'Düm' heißt hier: die rechte Hand schlägt die rechte Kudüm. 21) | ||
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Als Gegensatz zu 'düm' wird das 'tek' angesehen. Das 'tek' ist ein "heller Anschlag auf dem Trommelfell." 22), es steltt für die "percussions légères" 23). Thibaut schreibt 1902: "...; le genou gauche (reçoit) les temps faibles..."; 1906 heißt es bei ihm, wie bei Yekta 1922: "...; le 'tek' (est) l'arsis ou temps faible." |