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von dr. heinz - peter seidel
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start: 04 octoberi 2005, up-date: 23 april 2006
"Celui qui se trompe est des nôtres; celui qui ajoute ou retranche d,llis une mélodie est des nôtres;
mais celui qui s'écarte du temps sans s'en rendre compte ne peut pas étre des nôtres."
0)

Ishac ben Ibrahim el Mossouli

Der Titel der vorliegenden 'Studien' ist als Arbeitstitel exemplarisch für ein Beispiel aus der türkischen Rhythmik aufzufassen. 'Usul' bezeichnet generell einen rhythmischen Sachverhalt und ist adäquat mit 'rhythmisches Muster' zu übersetzen. Etwa vierzig solcher rhythmischen Muster bilden in der türkischen Musik das Usul-Repertoire, aus dem ein Komponist, wie einen Makam aus dem Makam-Repertoire, für seine Komposition auswählt.
Die Usul führen "technische, landschaftliche oder literarisch beschreibende Namen". 1) Der Name des hier untersuchten Usul ist 'Devri kebir' und heißt: 'Großer Kreis', eine "geometrische Metapher,, 2) für die Vorstellung einer zeitlichen Organisation. Die zeitliche Organisation und die sie konstituierenden Faktoren sind Gegenstand der Untersuchung.
Daß eine musikalische Form, das 'Pesrev' *), als 'Träger' des Usul Devri kebir gewählt wurde, hat nicht zuletzt methodische Gründe. 'Pesrev' heißt: 'das Vorangehende, 3) und ist in der türkischen Musik "nach der einleitenden Improvisation gewöhnlich die erste Komposition einer Aufführungsfolge (fasil).,, 4) In der religiösen Zeremonie ('Ayin') der Mevlevi (dem Orden der sogenannten 'Tanzenden Derwische') hingegen ist das Pesrev immer die zweite, auf die Hymne 'Na't' folgende Komposition einer Reihe von Stücken, die das Zeremoniell in festgelegter Reihenfolge begleiten. 5) Nach diesem Pesrev folgt als nächste Komposition die große Hymne' Ayin', bestehend aus vier 'Selam' (=Gruß), danach zwei kurze Instrumentalsätze 'Son Pesrev' und 'Son Yürük semai'.
Im Gegensatz zu 'Son Pesrev' (= Schluß-Pesrev) ist mit dem Sprachgebrauch "Pesrev der Mevlevi" eindeutig die oben genannte zweite Komposition in der Zeremonie gekennzeichnet. Ein Pesrev besteht aus mehreren Sätzen 'Hane' (= Haus); nach jedem liane folgt ein gleichbleibendes Ritornell 'Teslim' 6) Nicht nur ist 'Pesrev' die wichtigste Instrumentalform in der klassischen türkischen Musik, sondern zu ihrem festen Standort innerhalb des Zeremoniells der Mevlevi kommt die für unsere Untersuchung wichtige Regel, daß dieses Pesrev immer im Usul Devri kebir stehen muß. 7)
Die Überlieferung der Usul hängt unmittelbar mit der für die türkische Nusik typischen Quellensituation 8) zusammen:

"La question de savoir par qui et à quelle date, ces rythmes ont été tout d'abord établis n'était pas encore résolue par las musiciens turcs ilyacinq ans. 5)"

"5) Parce que les rythmes qui se trouvent dans las traités des anciens théoriciens turcs, comme Farabi, Avicenne et Abd-ul-Kadir, étaient des rythmes taut à fait differents, qui n'étaient nullement employés par las musiciens turcs.
On savait qua las rythmes en usage étaient d'invention plus récente, mais c'était taut ce qu'on savait." 9)
Über den Verbleib einiger Quellen, von denen man annehmen darf, daß sie für Untersuchungen zur türkischen Rhythmik von größtem Wert sind, ist entweder nichts bekannt oder sie sind bislang unzugänglich:
"Un ancien traité manuscrit que j'ai acheté parmi las livres de feu Nédjib Pacha, chef de musique de la garde impériale, leve une partie des incertitudes qui entouraient cette question. Le manuscrit n'a pas de date, et on ne sait s'il est original ou copié; néanmoins, on peut juger qu'il date d'au moins deux cents ans. L'auteur de ce traité est un nommé Nayi Kèvcéri Moustapha Effendi. On ne connait pas exactement l'epoque où il vivait: mais il y a des preuves établissant qu'il a vecu au cours du XIle siècle de l'Hégire (1591 - 1688 de J.-C.). Le manuscrit en question témoigne du grand génie musical de son auteur. Or, dans ce manuscrit, on voit qua la plupart des rythmes, dont nous donnons ci-après la nomenclature, ont été inventés par cet homme de talent lui-même: la découverte était pleine d'intéret.
Dans le chapitre concernant le rythmes, chaque page contient deux cercles, et dans chaque cercle sont inscrit le battements d'un rythme; en haut des pages se trouve une inscription disant que le rythme de cette page a été inventé par Nayi Kèvcéri Moustapha Effendi: chose curieuse;
un des possesseurs du manuscrit a éprouvé le besoin d'effacer ces inscriptions, dans l'intention peut-étre de ne pas réserver à un seul homme l'honneur de l'invention de tant de rythmes si ingénieux! Il est heureux que, malgré cette tentative, las caractères soient encore lisibles, et qu'ils nous aient permis de révéler un fait resté jusqu'à présent dans l'ombre."
10)
 

1953 heißt es bei Suphi Ezgi 11), daß diese Quelle sich im Nachlaß Rauf Yektas befinde: über den Verbleib dieses Nachlasses indes ist heute nichts bekannt. 12) Wie Rauf Yekta selbst schreibt, entstammen aber die von ihm mitgeteilten Usul 13) jenem Manuskript des Nayi Kevceri Mustafa Efendi.

Inwieweit und auf welche Weise durch die Freundschaft Yektas mit Jean Baptiste Thibaut dieser in seiner "nomenclature exacte des rythmes traditionnels de la musique orientale,, 14) von der besagten Quelle Gebrauch gemacht hat, vermochten wir nicht festzustellen.
Thibaut verzeichnet indes eine andere, uns ebenfalls nicht zugängliche Quelle:
"Jusqu'ici j'ai pu en recueillir jusqu'à trente neuf (: Usul;Anm. d. Verf.) d'un caractère bien déterminé.
C. Fronton, 'jeune' de langue, de France à Constantinople (1751), en avait déja signalé le plus grand nombre, sans toutefois en marquer la veritable physionomie, dans un intéressant mémoire, resté inédit et dédié à Mgr Rouillé, marquis de Jouy, ministre de la marine et secretaire d'Etat sous Louis XV 2)."
(2)"Cf. Bibl. Nat. de France, ms. 4023, nouv. acq fr., pp. 65 - 77." 15)
Eine weitere vielversprechende und bislang nicht auffindbare Quelle verzeichnet E. Borrel:
"Les Grecs ne sont pas désinteressés de la musique turque:
transcriptions de musique en notation byzantine, travaux théoriques ne les effrayent pas. Parmi ces derniers on notera:
(...)
de KYRIAZIDIS, Constantinople, 1909, in-8°, 86 pages. Contient un exposé très clair de tous les Oussouls - rythmes - turcs, en une notation précise, et quelques mélodies turques transcrites en notation byzantine." 16)
Bei einer so skizzierten Quellensituation sind historische Untersuchungen zum türkischen Rhythmus problematisch. Indes ist eine nicht unerhebliche Anzahl von Beispielen gerade für den Usul Devri kebir in der greifbaren Literatur und in den überlieferten (das heißt: aufgezeichneten) Kompositionen mitgeteilt, so daß an diesem Material bestimmte Untersuchungen systematisch vorgenommen werden können. Betrachtungen in der Literatur, die 'allgemein' das, was 'türkischer Rhythmus' sei, zu erfassen trachten, sind denkbar unergiebig, weil sie zumeist eine Wertung zum Inhalt haben, die am musikalischen Material schwer nachprüfbar ist. Aber auch 'gezieltere' Ausführungen können diesem Mangel erliegen. 17)
Einen wesentlichen Anteil an der Betrachtung generell der Usul hat die Musizierpraxis, das sogenannte 'Usul-Schlagen', über das in der in Frage kommenden Literatur eingehend berichtet wird und das die Autoren, die es beschreiben, zum Anlaß nehmen, den Sachverhalt 'Usul' zu spezifizieren.
Dies ist zunächst zu untersuchen. Darauf folgend gibt der Vergleich der verschiedenartigen Überlieferung (Notation) des Usul Devri kebir wichtige Aufschlüsse, die wiederum den Vergleich der einzelnen 'Gestalten' des Devri kebir ermöglichen. Schließlich werden verschiedene Beziehungen zwischen Usul und Komposition aufgezeigt und eine Bestimmung des Devri kebir versucht werden.
Solche Untersuchungen haben, wie wir meinen, einer musikalischen Analyse der Kompositionen voranzugehen. Eben die Relation zwischen Usul und Komposition meint Gültekin Oransay, wenn er 'Usul' als 'rhythmisch-melodische Formel' definiert und schreibt:
"Die rhythmisch-melodische Formel, die sich bisweilen der melodischen Linie gesellt, ist nichts anderes als eine Realisierung des entsprechenden Usul." 18)
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Anmerkung des Editors:
*) Das Wort 'Pesrev' wird TR-Türkisch als Peþrev geschrieben. þ= sch